Ratgeber >>> Haarausfall
Kennen Sie das auch? Jeden Morgen stehen Sie im Badezimmer, starren Ihren Kamm an und haben das Gefühl: Schon wieder hängen mehr Haare dran als früher. Experten schätzen, dass jeder zweite Erwachsene in Deutschland zumindest zeitweise unter Haarausfall leidet. Faustregel: Wenn über einen längeren Zeitraum täglich mehr als 100 Haare ausgehen, liegt ein krankhafter Haarausfall vor.
Einige Formen des Haarausfalls können – von selbst oder mit der richtigen Behandlung – wieder völlig verschwinden, andere bleiben für den Rest des Lebens bestehen und erfordern eine langfristige Behandlung, will man den Haarausfall verlangsamen und wieder einen volleren Schopf bekommen. Grundsätzlich gilt: Je früher und konsequenter behandelt wird, desto besser sind die Erfolgschancen.
Welche Formen von Haarausfall gibt es und wie kommt es dazu?
Hautärzte unterscheiden nach Ursache und Erscheinungsbild vier verschiedene Varianten des Haarausfalls: erblichen, kreisrunden, diffusen und vernarbenden Haarausfall. So unterschiedlich das Erscheinungsbild der verschiedenen Formen, so verschieden auch ihre Ursachen. Sie zu erkennen, ist wichtig, weil danach die jeweilige Behandlung ausgewählt wird. Die Kopfhaut einfach mit einem beliebigen Mittel zu behandeln, weil die Werbung mehr Haarwuchs verspricht, wird kaum von Erfolg gekrönt sein.
Der erbliche Haarausfall
Dies ist die häufigste Form des übermäßigen Haarverlustes. Männer bemerken zunächst, dass der Haaransatz zurückweicht und die typischen Geheimratsecken entstehen oder sich eine lichte Stelle am Hinterkopf bildet. Im Laufe der Zeit wird der gesamte Oberkopf kahl, meist bleibt aber von Schläfe zu Schläfe ein Haarkranz stehen. Bei Frauen wird das Haar im Scheitelbereich immer dünner; dass der Oberkopf völlig kahl wird, ist jedoch die Ausnahme.
Die Ursache ist bei beiden Geschlechtern eine übermäßig starke lokale Wirkung des männlichen Sexualhormons Dihydrotestosteron, ein Stoffwechselprodukt des Testosterons, in der Kopfhaut (auch Frauen bilden Testosteron, wenn auch wesentlich weniger als Männer). Deshalb spricht man auch von „androgenetischem Haarausfall“ – unter der Bezeichnung „Androgene“ werden alle männlichen Sexualhormone zusammengefasst.
Wie gesagt, dreht es sich jedoch nicht um Testosteron selbst, sondern um seinen wesentlich stärker wirksamen Abkömmling Dihydrotestosteron, kurz DHT. DHT wird von dem Enzym 5-alpha-Reduktase aus Testosteron produziert, das u. a. auch in der Kopfhaut in größeren Mengen vorkommt, und es beeinflusst den Wachstumszyklus der Haare.
DHT kann auf zwei Wegen zu verstärktem Haarausfall führen: Zum einen, wenn besonders viel Enzym in der Kopfhaut vorhanden ist und deshalb mehr DHT entsteht, zum anderen wenn die Androgen-Rezeptoren an den Haarwurzeln überempfindlich auf das Hormon reagieren. Natürlich kann auch beides gleichzeitig der Fall sein - die Folge ist in jedem Fall dieselbe: Die Wachstumsphase des Haares wird verkürzt, die Ruhephase verlängert. Das führt dazu, dass die einzelnen Haare dünner werden und ihre Lebensdauer sich verkürzt. Schließlich verkümmern die Haarwurzeln völlig, die Kopfhaut wird an dieser Stelle kahl.
Der Blutspiegel von Testosteron und DHT hat übrigens so gut wie keinen Einfluss auf die Kopfhaut. Dass glatzköpfige Männer besonders viel Testosteron im Blut haben und deshalb besonders „männlich“ sein sollen, gehört ins Reich der Märchen. Der androgenetische Haarausfall beruht weniger auf einer hormonellen Störung, sondern auf genetisch festgelegten Eigenheiten der Kopfhaut.
Der kreisrunde Haarausfall (Alopecia areata)
Diese Variante tritt vor allem bei Kindern und jungen Menschen auf. Dabei gehen an einer oder mehreren Stellen kreisförmig die Haare aus, meistens am Kopfhaar, bei Männern auch am Bart. Die Alopezie kann in seltenen Fällen den gesamten Kopf kahl machen und – noch seltener – auch die Körperhaare betreffen. Noch seltener fallen sämtliche Kopf- und Körperhaare aus, inklusive der Wimpern und Augenbrauen. Der Arzt spricht dann von einer Alopecia areata totalis oder auch universalis, wenn die ganze Kopfbehaarung bzw. die ganze Körperbehaarung fehlt.
Die „einfache“ Alopecia areata heilt in mehr als der Hälfte der Fälle spontan, die haarlosen Stellen wachsen wieder zu. Je ausgeprägter der Befall ist und je länger der Beginn der Erkrankung zurückliegt, desto geringer sind jedoch die Chancen auf eine Spontanheilung. Sind große Teile des Kopfhaares ausgegangen oder liegt gar eine Alopecia totalis vor, darf man nicht mehr darauf hoffen, dass an den kahlen Stellen von selbst wieder Haare wachsen.
Wie es zum kreisrunden Haarausfall kommt, weiß die Wissenschaft noch nicht genau. Klar ist, dass in der Kopfhaut rund um den Haarfollikel Entzündungsprozesse ablaufen. Möglicherweise handelt es sich um eine so genannte Autoimmunkrankheit, also ein Leiden, bei dem das Immunsystem aus bisher ungeklärten Gründen körpereigene Gewebe angreift – in diesem Fall die Haarwurzel.
Untersuchungen haben gezeigt, dass es eine genetische Komponente bei der Alocpecia areata geben muss: Bei jedem fünften Betroffenen leidet noch mindestens ein weiteres Familienmitglied ebenfalls am kreisrunden Haarausfall. Außerdem finden sich bei den Angehörigen von Alopecia-areata-Patienten nicht selten auch andere Erkrankungen des Immunsystems, was ebenfalls auf eine erbliche Veranlagung für diese Erkrankung hindeutet.
Der diffuse Haarausfall
Hierbei geht – wie der Name schon sagt – die Haardichte mehr oder minder gleichmäßig am ganzen Kopf zurück. Im akuten Zustand gehen die Haare leicht aus und sind überall zu finden. Die Kopfhaut selbst ist dabei häufig völlig unauffällig.
Diffuser Haarausfall kann viele Ursachen haben. Chronische oder akute Infektionen zählen ebenso dazu wie Störungen im Hormonhaushalt (Schilddrüsenfehlfunktionen, Diabetes) sowie Vitamin- oder Mineralienmangel.
Einseitige Diäten können Haarausfall auslösen, aber auch bestimmte Medikamente, z. B. Mittel gegen hohen Blutdruck oder für Fettstoffwechselstörungen, aber auch Psychopharmaka. Frauen klagen häufig nach der Entbindung über Haarausfall, der sich aber von selbst wieder legt. Haare, die durch eine medikamentöse Krebsbehandlung (Chemotherapie) ausgefallen sind, wachsen von selbst nach, wenn auch oft anfangs dünner und feiner als vor der Chemotherapie. Das gleiche gilt auch für die anderen Medikamente, wenn sie nicht ständig eingenommen werden müssen.
Der vernarbende Haarausfall
Bei dieser Form von Haarausfall gehen die Haarwurzeln flächenhaft und unwiderruflich zugrunde. Ursache ist eine massive Schädigung der Haarfollikel, wie sie z. B. durch schwere bakterielle oder virale Infektionen der Kopfhaut, Fadenpilzerkrankungen durch bestimmte Autoimmunerkrankungen und durch Verbrennungen, Verätzungen oder Bestrahlungen hervorgerufen werden kann. Weil eine Behandlung nicht mehr fruchtet, sobald die Haarwurzeln abgestorben sind, sind vorbeugende hautärztliche Maßnahmen hierbei besonders wichtig.
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