Entwicklungsstörungen

"Mein Kind ist noch nicht sauber"

Für viele Mütter bedeutet das Saubersein ihres Kindes eine große Bestätigung für sich selbst sowie gegenüber Freunden und Verwandten. Sie denken, dass sie einen gravierenden Schritt in der Erziehung vollbracht haben. Insbesondere dann, wenn die Nachbarin schon seit zwei Monaten damit prahlt, dass ihr zweijähriger Sohn keine Windeln mehr bräuchte.

Zugegebenermaßen geht vieles einfacher, wenn das ständige Windelwechseln entfällt. Es ist wahr, dass man das Kind durch ein paar Tricks ein wenig schneller an den Gang aufs Töpfchen gewöhnen kann. Im Großen und Ganzen hat jedes Kind dabei aber sein eigenes Entwicklungstempo. Erst wenn Körperfunktionen, Hirnbahnen und die Psyche reif genug dafür sind, wird das mit dem Saubersein klappen.

Das ersten Anzeichen für eine solche Bereitschaft ist, wenn Ihr Kind Sie selbst darauf aufmerksam macht, dass es etwas in der Windel hat. Erklären Sie ihm dann ruhig schon einmal, dass das ins Töpfchen gehört. Wenn die Stuhlgewohnheiten Ihres Kindes einigermaßen regelmäßig sind, können Sie es auch einige Zeit zuvor auf sein Töpfchen setzen und ihm zum Beispiel etwas vorlesen oder ein Spielzeug geben. Wenn das Kind sich absolut noch nicht darauf setzen will, zwingen Sie es bitte nicht. Ansonsten wird es nur länger dauern, bis das Kind von sich aus aufs Töpfchen möchte. Wenn es dann mehr aus Zufall durch das lange Sitzen einmal geklappt hat, loben Sie ihr Kind und erinnern Sie es das nächste Mal daran, wie toll es doch schon mal geklappt hat.

Mit vier bis fünf Jahren sind alle Kinder trocken, bei denen nicht eine organische oder psychische Störung vorliegt. Und denken Sie bitte bei allem Ehrgeiz daran, wie wenig bedeutsam im späteren Leben einmal die Frage danach sein wird, wann Ihr Kind sauber geworden ist.

Dr. med. Ursula Keicher

MT-Online

Kommentare zum Artikel

#1"Mein Kind ist noch nicht sauber"

Medical Tribune / 29.11.07 02:13
Für viele Mütter bedeutet das Saubersein ihres Kindes eine große Bestätigung für sich selbst sowie gegenüber Freunden und Verwandten. Sie denken, dass sie einen gravierenden Schritt in der Erziehung vollbracht haben. Insbesondere dann, wenn die Nachbarin schon seit zwei Monaten damit prahlt, dass ihr zweijähriger Sohn keine Windeln mehr bräuchte.