Sodbrennen

Es gibt sicher für jeden Menschen Situationen im Leben, die ihm „sauer aufstoßen“. Doch bei vielen steckt nicht nur ein Ärgernis dahinter, etwa jeder Zehnte leidet immer wieder unter Sodbrennen. Nach einem üppigen Mahl oder einer durchzechten Nacht darf das schon mal sein, aber häufiges Sodbrennen kann gefährlich werden.

Woher kommt das Brennen?

Ursache für Sodbrennen ist der Rückfluss von Säure (Salzsäure) aus dem Magen in die Speiseröhre (Reflux). Zwischen Speiseröhre (Ösophagus) und Magen liegt ein Ventil, das sich normalerweise nur in eine Richtung – zum Magen hin – öffnet, um die Nahrungsmittel durchzulassen. Wenn diese Ventilfunktion gestört ist, kann sich der Weg umkehren. Ein bisschen Säure kann immer mal zurückfließen, die Speiseröhre ist dann aber in der Lage, sich durch eigene Bewegungen selbst zu reinigen. Einige Faktoren – zum Beispiel fette Speisen, Alkohol, scharfe Gewürze oder Nikotin - bremsen aber diese Bewegungen, und die Säure hat dann genug Zeit, sich bemerkbar zu machen.

Die Magenschleimhaut verträgt die Säure gut. Die Schleimhaut der Speiseröhre dagegen ist sehr viel empfindlicher und wird auf Dauer von der Salzsäure angegriffen, es kommt zur Entzündung. Wenn Sodbrennen immer wieder auftritt, kann auch eine Lücke im Zwerchfell (Zwerchfellbruch) dahinter stecken. Durch diese Lücke rutschen Teile des Magens nach oben und der Verschluss zur Speiseröhre funktioniert nicht mehr richtig. Auch Schwangere leiden häufig unter Sodbrennen, weil der hohe Druck im Bauchraum die Säure nach oben presst.

Welches sind die typischen Symptome?

Das typische Symptom des Refluxes ist das „klassische“ Sodbrennen, also der brennende Schmerz hinter dem Brustbein. Beim Bücken und Liegen wird er schlimmer. Gerade nachts fließt die Säure bis in die Mundhöhle. Von dort aus verirrt sich die ätzende Flüssigkeit gelegentlich in die Luftröhre und bis zur Lunge. So kann es sein, dass sich der Reflux durch einen starken Hustenreiz oder sogar Atemnot zeigt. Wenn die Speiseröhre stark entzündet ist, fällt es schwer, feste Nahrung zu schlucken. Viele Patienten klagen auch über Schmerzen im Oberbauch.

Wie wird Reflux entdeckt?

Bei dauerhaftem Sodbrennen wird eine Spiegelung der Speiseröhre und des Magens durchgeführt. Dabei lässt sich eine ausgeprägte Entzündung direkt sehen. Aber nicht immer passen die Beschwerden zu dem sichtbaren Bild, deshalb sind häufig weitere Untersuchungen notwendig. Der Rückfluss lässt sich durch eine Messung des ph-Wertes in der Speiseröhre nachweisen, die über 24 Stunden dauert. So entgeht den Ärzten auch ein nächtlicher Reflux nicht. Außerdem ist es möglich, die Aktivität des Speiseröhrenventils direkt zu messen.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Im frühen Stadium einer Refluxkrankheit reicht es meist schon, die Ernährungsgewohnheiten umzustellen, das heißt, auf fette Mahlzeiten, scharfe Gewürze, Alkohol und Nikotin zu verzichten. Wenn das nicht genügt, werden Medikamente eingesetzt, die gezielt die Säureproduktion im Magen hemmen.

Alternativ gibt es auch Präparate, die bereits gebildete Säure abfangen und neutralisieren. Meist dauert eine Behandlung vier bis sechs Wochen, dann hat sich die Speiseröhre erholt. Wenn das Ventil allerdings schwer beschädigt ist, ist unter Umständen eine Operation notwendig, um den Verschluss wieder herzustellen.

Welche Komplikationen sind zu befürchten?

Die chronische Entzündung der Speiseröhre kann dazu führen, dass sich in der Schleimhaut Geschwüre und Vernarbungen bilden. Dadurch wird die Speiseröhre immer enger und die Nahrung rutscht nur noch schwer durch. Aus den angegriffenen Bezirken sickert auch in einigen Fällen immer wieder Blut, was manchmal Bluterbrechen zur Folge hat, aber auch unbemerkt eine Blutarmut auslösen kann.

Das gravierendste Risiko besteht aber darin, dass sich die Schleimhaut der entzündeten Speiseröhre langfristig umbaut. Das bedeutet, das ursprüngliche Gewebe wird durch neues ersetzt (Barrett-Ösophagus). Dieses neue Gewebe kann Vorstufe eines lebensbedrohlichen Speiseröhrenkrebses sein.

Was können Betroffene selber tun?

Neben dem Verzicht auf sodbrennenfördernde Lebensmittel ist es hilfreich, mögliches Übergewicht zu reduzieren, das senkt den „Druck von unten“. Viele kleinere Mahlzeiten sind besser als eine große. Auch zu enge Kleidung fördert Sodbrennen, weil sie auf den Magen drückt.

Die letzte Mahlzeit sollte nicht nach 18 Uhr eingenommen werden, dann hat der Körper genug Zeit, vor dem Schlafengehen zu verdauen. Wer nachts mit erhöhtem Oberkörper schläft, macht es der Säure schwerer, nach oben zu steigen.

Bei den meisten Patienten mit Reflux gelingt es, durch geänderte Ernährungsgewohnheiten und eventuell auch eine kurzfristige medikamentöse Therapie eine chronische Speiseröhrenentzündung zu verhindern.

Links

www.ernaehrung.de/tipps/MD_Erkrankungen/md11.htm: Liefert kurzgefasste Informationen rund um das Thema Sodbrennen, Ursachen, Auslöser und therapeutische Möglichkeiten.

www.sodbrennen-welt.de/: Ein großes Portal, das News und Berichte liefert und auch auf Patientenfragen eingeht.

www.medizin.de/gesundheit/deutsch/764.htm: Eine einfache und kurze Darstellung des Sodbrennens mit Schemazeichnung und netter Einleitung.

www.medizinauskunft.de/artikel/diagnose/krankheiten/08_11_sodbrennen.php: Ein einfacher Übersichtsartikel mit Originalzitaten einer Ärztin des AOK-Bundesverbandes und einigen weiterführenden Links.

MT-Online, Dr. Anja Braunwarth

Kommentare zum Artikel

#1Sodbrennen

Medical Tribune / 28.11.07 20:10