Blasenentzündung

MT-Bericht

Foto:BlasenentzündungEigentlich sollten die Flitterwochen zu den schönsten Wochen im Leben einer Frau gehören. Doch für manche ist die Erinnerung daran in erster Linie mit häufigen, schmerzhaften Gängen auf die Toilette verbunden. Der Grund ist eine Blasenentzündung (Zystitis), ausgelöst durch Geschlechtsverkehr. Diese Entzündung wird daher auch „Flitterwochen“- oder „Honeymoon-Zystitis“ genannt. Aber auch sonst leidet das schwache Geschlecht deutlich häufiger an Blasenentzündungen. Etwa die Hälfte aller Frauen erwischt es mindestens einmal in ihrem Leben.

Was verursacht diese Erkrankung?

Meist wird eine Blasenentzündung durch Bakterien ausgelöst. Die Erreger gelangen dabei aus ihrem natürlichen Revier, dem Darm, in die Harnröhre und steigen dann in die Blase auf. Frauen haben eine kurze Harnröhre, hier ist es für die Keime sehr viel leichter. Außerdem ist bei ihnen der Weg vom After zur Harnröhre nicht allzu weit - das begünstigt die Entzündung. Auch durch Geschlechtsverkehr werden die Bakterien häufig in Richtung Harnröhre verschleppt.

Die Erreger haben in der Blase besonders leichtes Spiel, wenn der normale Urinabfluss behindert ist, zum Beispiel durch Tumoren, Fremdkörper oder Verengungen. Je mehr Urin in der Blase bleibt, umso besser können sie sich vermehren. Ein weiterer Faktor, der eine bakterielle Entzündung begünstigen kann, ist Unterkühlung ("Kaltfußzystitis"). Außerdem kann die Blasenentleerung durch Nervenschäden wie nach Querschnittslähmung oder in Folge eines Diabetes mellitus gestört sein. Auch Schwangere sind besonders gefährdet, weil bei ihnen der Urin zunehmend schlechter fließt.

Seltene Ursachen für eine Zystitis sind Strahlenschäden der Blase nach Tumorbestrahlung oder eine aggressive Chemotherapie. Die resultierenden Schleimhautveränderungen bieten Erregern einen guten Boden, um sich niederzulassen.

Welches sind die typischen Symptome?

Eine akute Zystitis verursacht dauernden Harndrang (Pollakisurie), wobei aber jedes Mal nur wenig Urin ausgeschieden wird. Dabei brennt es meist höllisch beim Wasserlassen und häufig schmerzt auch der Unterbauch. Gelegentlich kann Blut im Urin auftauchen.

Wie wird eine Blasenentzündung diagnostiziert?

Schon die geschilderten Beschwerden lassen meist an eine Zystitis denken. Die Urinuntersuchung gibt dann genaueren Aufschluss. Bei einer Blasenentzündung finden sich darin weiße (eventuell auch rote) Blutkörperchen, vermehrter Schleim, abgestorbene Zellreste und meist eine deutliche Ansammlung von Bakterien. Mit Hilfe einer so genannten Bakterienkultur kann der Erreger noch genauer bestimmt werden. Wenn Blasenentzündungen häufiger auftreten, sollte eine Blasenspiegelung durchgeführt werden, um einen Tumor auszuschließen – allerdings erst nach Abklingen der Entzündung, die Prozedur ist sonst zu schmerzhaft.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Eine akute bakterielle Zystitis wird mit Antibiotika behandelt. In den meisten Fällen reicht heute eine Therapie über drei Tage, vielfach sind sogar Einmalbehandlungen („Single Shots“) ausreichend. Zusätzlich können – je nach Beschwerden – auch krampflösende Schmerzmittel gegeben werden. Auch Wärme und große Trinkmengen, die den Harn verdünnen, wirken lindernd.
Ist eine Chemotherapie Auslöser der Zystitis, sind die großen Trinkmengen sogar entscheidend, weil dadurch die Konzentration der schädigenden Medikamente in der Blase entscheidend gesenkt wird.
Wenn Abflusshindernisse in der Blase bestehen, müssen sie beseitigt werden, damit die Entzündung vollständig ausheilen kann.

Welche Komplikationen sind zu befürchten?

Eine einfache Zystitis heilt in der Regel folgenlos aus. Ohne Behandlung besteht aber die Gefahr, dass die Erreger sich weiter ausbreiten. So können sie über die Harnleiter in die Niere gelangen und dort eine Entzündung auslösen.
Wenn immer wieder Blasenentzündungen auftreten, besteht die Gefahr, dass das Gewebe der Blase dauerhaft geschädigt wird und die Blase schrumpft (Schrumpfblase). Im schlimmsten Fall wird dann eine Operation mit Entfernung des Organs und künstlicher Urinableitung nötig.

Was können die Betroffenen selber tun?

Die wichtigste Regel bei einer Blasenentzündung lautet: viel trinken. Mindestens zwei Liter Wasser oder Tee am Tag sollten es sein, damit genug Urin fließt, um die Bakterien auszuschwemmen. Ausreichend trinken hilft aber auch schon im Vorfeld, denn gut gespülte Nieren und Harnwege machen es den Bakterien schwerer, sich überhaupt erst einzunisten.
Den meisten Patienten tut Wärme in Form von Sitzbädern oder Wärmflaschen gut. Grundsätzlich kommt es auch auf die richtige Körperhygiene an. Vor allem Frauen sollten beim Waschen darauf achten, dass sie immer von der Scheide zum After reinigen und nicht umgekehrt, um keine Keime aus der Analgegend in Richtung Harnröhre zu verschleppen. Auf parfümierte Hygieneartikel sollte verzichtet werden, sie bringen die natürliche Keimflora durcheinander und fördern unter Umständen das Wachstum schädlicher Erreger.

Grundsätzlich sollte eine Blasenentzündung nicht auf die leichte Schulter genommen werden, denn sie bedroht auch andere Organe. Und da die Behandlung meistens schnell, unkompliziert und sicher ist, gibt es keinen Grund, den Arztbesuch zu scheuen.

Links

www.urologenportal.de: Eine übersichtlich gegliederte und einfach geschriebene Patienteninformation von Urologen. Die Erklärungen werden durch Schemazeichnungen ergänzt.

http://frauen.qualimedic.de/Blasenentzuendung_frauen.html: Eine Übersicht speziell für Frauen mit Blasenentzündungen, die auch auf einige naturheilkundliche Mittel eingeht.

http://www.patientenleitlinien.de/body_hwipatll/body_hwipatll.html: Hier informiert die Universität Witten/Herdecke im Frage/Antwort-Stil ausführlich zum Thema Blasenentzündung.

http://www.gesundheitpro.de/partner/surfmed/krankheiten/nieren_und_harnwege/blasenentzuendung: Anschaulicher und ausführlicher Link zur Blasenentzündung, der auch die anatomischen Gegebenheiten gut erklärt.

http://www.smw.ch/oeil/1999/129-16-354-99.html. Eine „Anekdote“ aus der Schweizer Medizinischen Wochenschrift mit dem Fallbeispiel eines recht eigentümlichen Fremdkörpers als Auslöser der Blasenentzündung.

MTD, Dr. Anja Braunwarth, Foto: BilderBox.de

Kommentare zum Artikel

#1Blasenentzündung

Medical Tribune / 28.11.07 20:13