Mittwoch, 01. Oktober 2014

Arzt und Finanzen

Freie Arztwahl immer und überall?

Freie Arztwahl immer und überall?

06.06.2012
Von: MT, Foto: thinkstock
Artikel Nummer: 19432
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Haben Patienten immer die freie Arztwahl?

Wenn ein Patient während des Urlaubs des vertrauten Arztes nicht zum Praxisgemeinschafts-Kollegen gehen möchte - gilt auch dann die freie Arztwahl?


Eine Fachärztin für Allgemeinmedizin:

Folgendes Problem in unseren Praxisgemeinschaften (PG): Ein Arzt der PG ist in Urlaub. Sein Patient müßte zu dem verbliebenen Kollegen der PG zur Behandlung, er will aber zu einem Partner der anderen PG. Gilt die freie Arztwahl?

 

Und wie steht es im Notfall: Darf der Arzt der anderen PG behandeln? Auf welchen Schein? Erneute 10 Euro Gebühr oder Vertretungsschein? Wir hatten schon sehr viele Diskussionen mit den Patienten, die unsere Probleme nicht verstehen können.

Dr. Gerhard Bawidamann, Facharzt für Allgemeinmedizin Nittendorf:

 

Eine Praxisgemeinschaft besteht aus voneinander unabhängigen Einzel- oder Gruppenpraxen, die miteinander Kosten für Räume, Personal und Geräte teilen, die aber für sich wirtschaftlich selbstständig agieren und jeweils ihren eigenen Patientenstamm haben – also getrennt abrechnen.


Der Patient hat demnach als Hausarzt nicht die PG, sondern die jeweils einzelne Praxis. Befindet sich diese in Urlaub, kann sie sich natürlich von der anderen Praxis, die Teil der PG ist, vertreten lassen, falls diese fachgleich ist. In diesem Fall zahlt der Patient nicht erneut die Praxisgebühr, falls er eine Quittung seiner Hausarztpraxis aus demselben Quartal vorlegen kann.

Praxisgebühr entfällt nur bei einer Praxis die Teil der PG ist

Ist er Patient einer Gemeinschaftspraxis, und ist nur ein Partner dieser Praxis in Urlaub, wird er sich normalerweise in dieser Zeit von einem anderen Partner seiner Hausarztpraxis behandeln lassen. Will er dies nicht, kann er im Rahmen der freien Arztwahl zu jedem anderen Arzt gehen, auch zu einer Praxis innerhalb der PG, zahlt dann aber erneut die Praxisgebühr, da hier keine Gemeinschaftspraxis vorliegt, und auch keine Vertretung besteht.


Genauso verhält es sich, wenn er in einer dringenden Situation eine andere Praxis aufsucht, obwohl seine Hausarztpraxis nicht im Urlaub ist.

 

Im Übrigen sollte vermieden werden, dass zu viele Patienten im gleichen Quartal bei mehreren Partnerpraxen einer PG abgerechnet werden: Allzu leicht könnte die KV auf die Idee kommen, dass hier eigentlich eine Gemeinschaftspraxis vorliegt, die nur zum Zweck der Abrechnungsoptimierung in die organisatorische Form der PG umgewandelt wurde, da ja dann zum Beispiel die Ordinationspauschale öfter anfällt.

Strafrechtliche Konsequenzen bei über 30 % gemeinsamer Patienten innerhalb einer PG

Bei mehr als 30 % gemeinsamer Patienten innerhalb einer PG ist regelmäßig die Schmerzgrenze überschritten. Neben einer Korrektur der Abrechnung drohen dann auch disziplinarische, wenn nicht gar strafrechtliche Konsequenzen.

Probleme mit Arztrecht oder Abrechnung? Schreiben Sie uns wir kennen die Experten!


Redaktion Medical Tribune

z. Hd. Anke Thomas; Postfach 4240; 

65032 Wiesbaden

E-Mail: kontakt(at)medical-tribune.de

 

Kommentare

Anke Ney - 17.06.2012, 10:13

Warum sind bei einer 2000 Scheinpraxis zum Beispiel 200 gemeinsam behandelte Patienten 20% und nicht 10% in der Berechnung der KV?
Sind diese Zahlen ,die zur Implausibilität führen schon länger bekannt oder nur nach Gerichtsurteilen aufgestellt worden ?
Warum sind so viele Kollegen in diese Fallen gelaufen?
Durch Urlaubszeiten fallen ganz schnell diese gemeinsamen
Patienten an.

 
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