Samstag, 30. August 2014

Honorar und Abrechnung

Abrechnungsthema: Wundversorgung
27.06.2012
Von: MT, Foto: BilderBox.com
Artikel Nummer: 16695
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Sekundäre Heilung nach EBM-Logik

Wundversorgung mit anschließendem täglichem Verbandwechsel - wie wird hier abgerechnet?


Ein Facharzt für Allgemeinmedizin fragt:

Der Fall: Wundversorgung sekundär eines geöffneten Abdominalabszesses am 30.4.2010. Abrechnung mit Ziffer 02310. Es folgten mehrere Nachfolgekonsultationen mit Verbandwechseln (99090). Neuerkrankung Mammaabszess li. am 16.6.2010. Incision durch mich. Abrechnung mit Ziffer 02301. Weiterhin tägliche Verbandwechsel (99090). Habe ich so alles korrekt abgerechnet?

 

Eine nochmalige Abrechnung der Ziffer 02310 kann laut EBM ja nicht mehr erfolgen. Ebenso unlogisch, dass eine primär durch Naht versorgte Wunde (z.B. Abrechnung 02301) ja später sekundär heilen kann und eigentlich die Ziffer 02310 zum Zuge kommen müsste – geht aber nicht.


Dr. Gerhard Bawidamann, Arzt für Allgemeinmedizin, Nittendorf:

 

Der Kollege hat vollkommen recht, was die eingeschränkte Abrechnungsmöglichkeit seiner Leistungen betrifft. Die sekundär heilende Wunde hat er korrekt nach der Position 02310 abgerechnet. Diese Ziffer erfordert mindestens drei Kontakte im Quartal. Die erwähnte Ziffer „99090“ ist (wie alle 9er-Ziffern) ein Spezifikum des jeweiligen KV-Bereiches und daher nicht auf andere Regionen übertragbar.

 

Später unternimmt er einen Eingriff und spaltet einen Abszess. Dies wird ebenfalls korrekt abgerechnet mit der Ziffer 02301. Nach einem solchen Eingriff ist bei sekundärer Wundheilung die 02310 nicht möglich – eine, was die Logik betrifft, nicht begründbare Abrechnungseinschränkung.

 

Kommentare

Lihsek Friedrich - 07.09.2012, 08:08

Sehr geehrte Damen und Herren,

die Antwort ist leider nicht ganz korrekt. Herr Dr. Bawidamann schreibt: ".. Später unternimmt er einen Eingriff und spaltet einen Abszess. Dies wird ebenfalls korrekt abgerechnet mit der Ziffer 02301".

Dies ist nicht zutreffend, lt. den Bestimmungen des EBM sind die GOP 02301 und 02310 im Behandlungsfall nicht nebeneinander berechnungsfähig.

MfG
Friedrich Lihsek


ANTWORT DES AUTORS vom 03.10.2012:

Es gibt den Satz – aus einem Interview eines KV Funktionärs -, dass die Kassenärztliche Abrechnung so kompliziert sei, dass man hier nur Fehler machen könne.

Und so ist es auch hier: Nach Eingriffen entsprechend der Kapitel 31.2 und 31.4 des EBM darf innerhalb von 21 Tagen die 02 310 (sekundär heilende Wunde) nicht angesetzt werden.
Kommt nach mindestens 21 Tagen der Patient, ist diese Leistung abrechenbar (sei es auf die OP Wunde bezogen oder auf eine andere Wunde desselben Patienten).

Eine der vielen, logisch nicht begründbaren Bestimmungen des EBM legt dagegen fest, dass die 02310 im Behandlungsfall nicht neben den Wundversorgungsziffern stehen darf; hier hat der Kollege recht.
Der gesunde Menschenverstand würde meinen, dass sich dies auf den Behandlungsfall der Wunde bezieht, für die die Ziffer 02 300 ff zum Ansatz kam, die 02310 aber möglich wäre, wenn eine weitere Erkrankung , z.B. ein Abszeß, auftritt und behandelt wird. Dies ist ja sogar bei einer OP-Wunde möglich, wenn 21 Tage vergangen sind.
Auch wenn es möglicherweise so gemeint gewesen ist, die wörtliche Auslegung des Wortes "Behandlungsfall" bezieht sich im EBM auf ein Quartal, nicht auf die Diagnose wie in der GOÄ.
Und damit hat die KV bei enger Auslegung des Wortlautes die Möglichkeit, die 02310 im vorgelegten Fall abzusetzen, wie der Kollege richtig bemerkt hat.

Dr. Gerhard Bawidamann

 
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