Samstag, 23. August 2014

Honorar und Abrechnung

Achtung: Tollwut!

Impfung nach Tollwut.

02.06.2011
Von: Leseranfrage, Foto: irisblende
Artikel Nummer: 16693
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Tollwutimpfung nach Tierbiss im Ausland

Wie lässt sich die Tollwutimpfung bei einem GKV-Patienten korrekt abrechnen?


Eine Fachärztin für Innere Medizin fragt:

Eine Patientin wurde in Kenia von einem vermeintlich tollwütigen Tier gebissen. Laut KV ist die Impfung Privatleistung. Die Patientin geht mit unserer GOÄ-Rechnung zur Kasse. Die sagt: Abrechnung „auf Chipkarte“ wäre richtig gewesen. Das sieht die KV auf Nachfrage plötzlich auch so. Wir sollen eine kurative Leistung mit der Ziffer 03111 abrechnen, da keine Impfziffer vorhanden sei. Was ist denn nun richtig? Wir haben den Ärger mit der Patientin, dabei haben wir die Privatrechnung ja nur wegen der Auskunft der KV geschrieben.

Dr. Gerd W. Zimmermann, Facharzt für Allgemeinmedizin, Hofheim:

 

Bei den leistungsrechtlichen Vorgaben zur Tollwut-Impfung gibt es seit Jahren keine Änderungen. Allerdings wird die fehlende Möglichkeit einer gesonderten Abrechnung im Zusammenhang mit einer expositionellen Impfung häufig hinterfragt. Es sind zwei Konstellationen zu unterscheiden, nämlich:

• die Impfung vor Reiseantritt und

• die Impfungen postexpositionell nach Kontakt.

Für Reisende in Regionen mit Tollwutgefährdung besteht kein Leistungsanspruch auf eine aktive Immunisierung nach der Schutzimpfrichtlinie des G-BA (Gemeinsamer Bundesausschuss). In der G-BA-Richtlinie ist folglich auch keine Abrechnungsmöglichkeit für eine Tollwutimpfung genannt. Die aktive Immunisierung und Impfberatung vor dem Reiseantritt ist als privatärztliche Leistung nach der GOÄ abzurechnen.

 

Bei dem hier vorgetragenen Fall erfolgt die Applikation des Tollwutimpfstoffes als kurative Leistung in Form einer postexpositionellen Gabe. Eine gesonderte Abrechnungsposition steht im EBM oder in den Impfverträgen nicht zur Verfügung. Angesetzt werden kann lediglich eine der Versichertenpauschalen (z.B.: 03110 bis 03112).

 

Welche Maßnahmen nötig sind, hängt von der Art und Lokalisation der Wunde ab. Bei sehr großer Gefahr, z.B. nach einem Biss, wird die aktive Impfung zusammen mit einem Immunglobulin-Präparat als Simultanprophylaxe gegeben. Auch in diesen aufwendigen Fällen bleibt es beim Ansatz der Versichertenpauschale.

 

Zusammenfassend ist das eine sehr unbefriedigende Honorierungsregelung. Vielleicht beschäftigt sich der Bewertungsausschuss aber irgendwann mit dem Thema.

 

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