Mittwoch, 26. November 2014

Honorar und Abrechnung

Was Sie bei der EBM-Abrechnung alles nicht vergessen dürfen!

Was Sie bei der EBM-Abrechnung alles nicht vergessen dürfen!

11.05.2012
Von: Anke Thomas, Foto: thinkstock
Artikel Nummer: 19314
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Was bei der EBM-Abrechnung häufig verloren geht

Worauf Kollegen bei der EBM-Abrechnung achten sollten - Tipps von Allgemeinarzt Dr. Heinz Jarmatz auf dem Seminarkongress Norddeutscher Hausärzte.


Praxen, die zu 20 % oder mehr die Nr. 01430 bzw. 01435 abrechnen, sind hoch gefährdet. Denn wer sehr häufig Wiederholungsrezepte ausstellt, ohne Patienten zwischenzeitlich zu untersuchen, setzt sich einem hohen Haftungsrisiko aus. Aber nicht nur auf diesen Punkt hin sollten Ärzte ihre KV-Abrechnung checken.

 

Auch die Überprüfung, ob die Regelleistungsvolumen überhaupt verbraucht wurden, ist zumindest bei niedersächsischen Hausärzten ein Thema, weiß Dr. Jarmatz. Rund 800 von 4500 Haus­ärzten würden ihr Budget nicht vollständig ausschöpfen. Und dieser Trend nehme tendenziell sogar zu.

Abrechnung nach dem „Tatortprinzip“ für mehr Effizienz

Ob das daran liegt, dass Ziffern vergessen werden? Das jedenfalls kommt in Dr. Jarmatz Praxis kaum vor. „Tatortprinzip“ nennt der Kollege seine Strategie. Soll heißen: Die MFAs sind verpflichtet, konsequent und immer, Leistungen sofort einzutragen und nicht z.B. erst am Nachmittag. Dieses Prinzip gilt in jedem Zimmer bzw. an jedem Ort, an dem eine Leistung erbracht wird. Damit das auch wirklich funktioniert, gibt es eine Art Straf-/Kaffeekasse. Jeder, der den Eintrag einer Nummer vergisst, muss fünf Euro einbezahlen.

 

Ein weiteres Prinzip ist, dass der Arzt konsequent alle delegationsfähigen Leistungen an seine MFAs abgibt. Haus­ärzte neigen dazu, alles selbst in die Hand zu nehmen; Fachärzte delegieren häufig viel mehr.

 

Ob Sensiblitätsprüfungen beim diabetischen Fuß im Rahmen eines DMP, mentale Trainingstests innerhalb des geriatrischen Basisassessments, sämtliche Vorbereitungen zu Impfleistungen und Vorsorgeuntersuchungen etc. – Dr. Jarmatz delegiert alles, was möglich ist an seine MFAs. Wo Wissenslücken existieren, werden diese mit Fortbildungen und Übungen geschlossen.

 

Dr. Jarmatz rät auch dazu, endlich das Geriatrische Basisassessment durchzuführen. Anlässe dafür gibt es genug: Ob Rentenantrag, Vorstellung im Rahmen eines Check-ups oder präoperative Untersuchung – immer sollte das Praxisteam auch an das Geriatrische Basisassessment denken.

 

Ansonsten wird es irgendwann heißen: Die Hausärzte führen diese Leistung gar nicht durch – und dann wird es andere Ärzte geben, die diese Lücke schließen werden. So gibt es bereits Überlegungen zu einem „Facharzt für Geriatrie“, macht Dr. Jarmatz aufmerksam.

 

Bei der Betrachtung der eigenen Abrechnung sollte auch stets überprüft werden, wie hoch der Rentneranteil der Praxis ist (Nr. 03112) und wie oft die Chronikerziffer (Nr. 03212) angesetzt wurde. Die Häufigkeit müsste in etwa übereinstimmen, so Dr. Jarmatz. Wenn nicht, hat der abrechnende Kollege vermutlich schlichtweg vergessen, die Chroniker­ziffer anzusetzen. Im Übrigen berechtigt z.B. auch ein fünfjähriges Kind mit Asthma zum Ansatz der 03212. Da mindestens zwei Arzt-Patienten-Kontakte erforderlich sind: Ein telefonischer Kontakt zählt auch.

Prävention in den Sommer verlegen

Bei den Präventionsleistungen rät Dr. Jarmatz dazu, unbedingt die J1 (12 bis unter 15 Jahre) nach Nr. 01720 anzubieten, da Jugendliche nicht mehr gerne zu ihrem Kinderarzt gehen wollen.

 

Wenn ein Patient einen Vorsorgetermin bekommt, sollten die anstehenden Leistungen durchaus zusammen durchgeführt werden: Check-up (Nr. 01732), Krebsfrüherkennung Mann (Nr. 01731), Hautkrebsscreening (Nr. 01746), Impfleis­tungen etc. Aus organisatorischen Gründen empfiehlt sich die Durchführung in den Sommermonaten.

 

Ferner erinnert Dr. Jarmatz an das „Stiefkind“ Nr. 01740 – die Aufklärung zur Früherkennung des kolorektalen Karzinoms. In der EBM-Legende heißt es nur Beratung, so Dr. Jarmatz. Ob der beratene Patient tatsächlich zur Koloskopie geht, ist für den Ansatz der Ziffer unerheblich.

Chefarzt auf Problem aufmerksam machen

Kommt ein Patient nach einer ambulanten Op. zum Hausarzt zurück, muss diesem – damit er den präoperativen Komplex nach Nr. 31600 abrechnen kann – ein Überweisungsschein vorliegen. Ansons­ten hat der Arzt keine Chance, die Leistungen außerhalb von QZV oder RLV abzurechnen.

 

Vergisst die Klinik, dem Patienten den Überweisungsschein mitzugeben, rät Dr. Jarmatz dazu, den Chefarzt anzurufen und diesen auf das Problem aufmerksam zu machen. Wenn nämlich im Krankenhaus solch ein Durch­einander herrscht, dass dem Patienten immer wieder wichtige Dokumente fehlen, kann der Hausarzt dieses Haus schließlich nicht mit gutem Gewissen weiterempfehlen.

 

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