Mittwoch, 22. Oktober 2014

Honorar und Abrechnung

Wenn die Arztrechnungen nicht mehr bezahlt werden.

Wenn die Arztrechnungen nicht mehr bezahlt werden.

18.07.2012
Von: Anouschka Wasner, Foto: irisblende
Artikel Nummer: 15491
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Wie komme ich zu meinem Geld?

Wirtschaftskrise und sinkende Zahlungsmoral lassen mehr und mehr Menschen zu Schuldnern werden. Wie kommen Sie an Ihr sauer verdientes Geld?


Das Risiko von Zahlungsausfällen lässt sich im Vorfeld verringern. Dazu gehört zum Beispiel, mit dem Patienten eine schriftliche Zahlungsvereinbarung über die Leistung und über realistische Zahlungsziele zu treffen. Stephanie Gering, Volljuristin und Geschäftsführerin von Culpainkasso, rät außerdem dazu, einen Blick in die eigenen Akten werfen: Lässt sich dort etwas finden, dass im negativen Sinne auf die Zahlungsmoral des Kunden schließen lässt? Dann sind noch mal genauere Überlegungen nötig!

Ist aber das Problem bereits entstanden – das heißt, Ihr Patient hat weder auf die Rechnungsstellung noch auf Ihre Mahnungen reagiert – dann überprüfen Sie zunächst, ob die Adresse des Schuldners überhaupt noch aktuell ist. Nicht in jedem Mietshaus sind die Briefkästen so sortiert, dass ein unzustellbarer Brief nicht mit den Werbesendungen im Altpapier landet, statt „return to sender“ zu gehen. Ein Umzug lässt sich gegen eine geringe Gebühr über eine Anfrage beim Melderegister der eigenen Stadt ermitteln. Einige Gemeinden bieten sogar einen Online-Dienst für diesen Service an.

Ist jedoch klar, dass die Mahnung zugestellt wurde und trotzdem keine Zahlung in Sicht, lässt sich manch ein Arzt verleiten, zu sagen: Lassen wir es gut sein, das kostet mehr Ärger, als es wert ist. Aber ein solches Rangehen kann sich nicht jeder leisten – erst recht nicht, wenn der Betrag höher ist oder wenn es nicht nur ein, sondern mehrere Zahlungsunwillige sind.

Erst mal abwarten? Macht‘s nur schlimmer!

Es ist auch nicht ratsam, allzu geduldig mit seinen Schuldnern zu sein. Denn nicht nur, dass sich Schuldner oft, wenn die Leistung schon länger her ist, nicht mehr richtig verantwortlich fühlen. Mit der Zeit wächst auch die Gefahr, dass Ihr Kandidat noch an anderer Stelle seinen Verpflichtungen nicht nachkommen kann und irgendwann Zahlungsunfähigkeit anmeldet.

Eine der Möglichkeiten, Druck aufzubauen gegen den Schuldner, ist es, einen Anwalt einzuschalten. Der Nachteil: Ist das Eintreiben der Schulden aus welchen Gründen auch immer unmöglich, haben Sie zusätzlich noch die Kosten für den Anwalt am Bein.

 

Die Alternative ist die Beauftragung eines Inkassobüros. Nein, natürlich werden die Schulden dort nicht per Axt und Schlägertrupp eingetrieben. Im Gegenteil: Über das systematische Vorgehen des Büros erhält der Schuldner eine weitere Chance, einer gerichtlichen Auseinandersetzung aus dem Weg zu gehen. So wird zum Beispiel aus der Erfahrung heraus, dass manche Schuldner ihre Post schon gar nicht mehr öffnen, auch auf die telefonische Kontaktaufnahme gesetzt. Das direkte Gespräch soll es für beide Seiten leichter machen, eine Ratenzahlung in Gang zu setzen.

Waren auch diese letzten Zahlungsaufforderungen erfolglos, wird das Büro nach einer Bonitätsprüfung des Schuldners dem Arzt die Entscheidung in die Hand geben: Möchte er gerichtlich vorgehen? Spätestens an dieser Stelle steht der Arzt vor der Frage, ob das weitere Vorgehen wirtschaftlich in gesunder Relation steht. Und in speziellen Fällen können auch Verständnis oder Mitgefühl größer sein als der berechtigte Wunsch nach Entlohnung und eine Einstellung in Erwägung ziehen lassen.

Zunächst oft nur geringe Gebühren



Bis zu diesem Punkt des Inkassoverfahrens entstehen in der Regel nur geringe Kosten für den eintreibenden Arzt. Die Expertin rät dazu, sich im Vorfeld beim entsprechenden Unternehmen nach möglichen Kostenfaktoren zu erkunden. Denn spätestens beim nächsten Schritt, dem gerichtlichen Verfahren und gegebenenfalls der Zwangsvollstreckung, entstehen Gebühren, die nennenswert sein können.

Eine spezielle Problematik für Ärzte stellt die Schweigepflicht dar. Zwar werden mit der Weitergabe der Mahnung an das Inkassobüro keine Daten zur Behandlung preisgegeben, sondern nur ein Bezug zu Rechnungsnummer, Datum und Summe hergestellt. Doch natürlich stellt allein schon die Preisgabe der Tatsache, dass jemand bei einem bestimmten Arzt in Behandlung war, eine Verletzung der Schweigpflicht dar.

Dieses Problem lässt sich auf zwei Arten umgehen, erkärt Stephanie Gering, deren Inkassobüro auf Kunden aus dem medizinischen Bereich spezialisiert ist. Entweder man lässt sich – wie bei Rechnungen für die privatärztliche Verrechnungsstelle – direkt bei der Neuaufnahme vom Patienten eine Einwilligungserklärung zur Preisgabe des Namens bei Zahlungsverzug unterschreiben. Oder man achtet darauf, dass die letzte Mahnung entsprechende Hinweise enthält.

 

Hat man das vergessen, hilft nichts: Man muss noch eine weitere Mahnung schreiben, um den Hinweis an den Mann bzw. die Frau zu bringen. „Schön ist es dann, wenn diese allerletzte Mahnung, die eigentlich formalen Charakter hatte, zur Zahlung führt“, sagt Stephanie Gerling.

Lässt sich die Rechnung wirklich eintreiben?

Aber wie groß sind eigentlich die Chancen, über ein Inkassobüro zu seinem Geld zu kommen? Die Frage lässt sich nicht pauschal beantworten, erklärt die Expertin. Zu viele Faktoren wie die Branche, die Qualität der Leistung und das Alter der Forderung seien daran beteiltigt. Aber eines könne man festhalten: Im ärztlichen Bereich wären die Erfolgs-chancen relativ gut.

Tipps für die Wahl des Inkasso-Büros
Was sollte vor der Beauftragung eines Inkassobüros abgefragt werden? Wichtige Punkte sind:

  • Erhebt das Inkassounternehmen Mitgliedsbeiträge oder wird fallweise kalkuliert?

  • Mit welchem Schritt des Inkassoverfahrens können Gebühren entstehen?

  • Ist die Abrechnung erfolgsorientiert oder wird jeder Fall in Rechnung gestellt?

  • Erhalten Sie Einsicht in das Stadium Ihrer Fälle oder müssen Sie sich durchfragen?

  • Bekommen Sie einen persönlichen Ansprechpartner zugeteilt oder müssen Sie wechselnden Bearbeiter immer wieder aufs Neue Ihre Praxisbesonderheiten nahebringen?

  • Kennt sich das Büro mit den Besonderheiten einer Arztpraxis aus? Kann es mit der Schweigepflicht umgehen? Versucht es, die überdurchschnittlich sensible Kundenbeziehung so wenig wie möglich zu belasten?
 

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