Samstag, 20. September 2014

Verordnungen

Regress, weil nicht verschreibungspflichtiges Antihistaminikums ausreichend?

Regress, weil nicht verschreibungspflichtiges Antihistaminikums ausreichend?

25.10.2011
Von: Isabel Kuhlen, Foto: irisblende
Artikel Nummer: 17272
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Wenn Freiverkäufliches nicht ausreicht

Ein Arzt fürchtet Regressforderungen, weil alternative Antihistaminika unwirksam waren - wie kann er argumentieren?


Ein Facharzt für Innere Medizin fragt:

 

Ich betreue eine ältere Dame, die an einem Pollinosis-Beschwerdebild mit Augentränen, Naselaufen und begleitender Kurzatmigkeit im Frühjahr leidet. Ein Therapieversuch mit freiverkäuflichem Loratadin und steroidhaltigen topischen Sprays führte nicht zu einer befriedigenden Beschwerdelinderung. Daraufhin erfolgte die Verordnung von Levocetirizin (Originalpräparat), worunter die Patientin beschwerdearm wurde.

 

Entgegen der Ansicht der Krankenkasse der Patientin kann ich keinen „sonstigen Schaden“ erkennen. Wie muss ich argumentieren, um einen Regress abzuwenden?

 

Isabel Kuhlen, Rechtsanwältin und Apothekerin:

 

Gegen den Arzt wurde ein Regress als „sonstiger Schaden“ wegen der Verordnung des verschreibungspflichtigen Arzneimittels festgesetzt. Vermutlich geht der Vorwurf dahin, dass die Verordnung eines nicht verschreibungspflichtigen Antihistaminikums zulasten des Patienten ausreichend und damit wirtschaftlicher gewesen wäre.

 

Problematisch ist, dass durch § 34 SGB V nicht verschreibungspflichtige Arzneimittel vom Versorgungsanspruch des erwachsenen GKV-Patienten grundsätzlich ausgeschlossen wurden. Die Verordnung darf nur noch in den durch die Arzneimittelrichtlinien (AMR) vorgesehenen Ausnahmefällen erfolgen. Eine solche Ausnahme ist für Antihistaminika zur Behandlung bei schwerwiegender allergischer Rhinitis, bei der eine topische nasale Behandlung mit Glukokortikoiden nicht ausreichend ist, vom G-BA in den AMR ausdrücklich vorgesehen.

 

Die Anwendung von nicht verschreibungspflichtigen Antihistaminika war aber nach der Auskunft des Arztes schon erfolglos beendet worden. In § 12 Abs. 11 S. 2+3 AMR heißt es: „Der behandelnde Arzt soll nicht verschreibungspflichtige Arzneimittel zulasten der Versicherten verordnen, wenn sie zur Behandlung einer Erkrankung medizinisch notwendig, zweckmäßig und ausreichend sind. In diesen Fällen kann die Verordnung eines verschreibungspflichtigen Arzneimittels unwirtschaftlich sein.“

 

Die Verordnung eines verschreibungspflichtigen Antihistaminikums ist danach aber nur unwirtschaftlich, wenn ein anderes – nicht verschreibungspflichtiges – Antihistaminikum zulasten des Patienten hätte eingesetzt werden können. Dies ist aber vorliegend offensichtlich nicht der Fall. Der Arzt sollte also darlegen, dass nicht verschreibungspflichtige Alternativpräparate nicht zur Verfügung standen, weil diese unwirksam, kontraindiziert oder unverträglich waren.

 

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