Colitis ulcerosa: Heidelbeeren senken wohl die Krankheitsaktivität

Autor: Maria Fett

Heidelbeere als natürliches Mittel gegen Diarrhö wird schon seit Langem eingesetzt. © fotolia/azure

Trotz der teils fragwürdigen Evidenz setzen viele Patienten auf Heilpflanzen als ergänzende Therapien. Heidelbeeren gelten zum Beispiel als Superwaffe gegen Diarrhö. Tatsächlich zeigen sie vielversprechende Effekte bei Colitis ulcerosa.

Antioxidativ, entzündungshemmend und gefäßschützend, dabei kaum Nebenwirkungen, mutagene oder zytotoxische Effekte: Diese Eigenschaften schreibt man Anthocyanen zu. Die Heidelbeere ist reich davon und wird seit 30 Jahren als Heilpflanze zur Therapie von Diarrhö eingesetzt. Was die Colitis ulcerosa angeht, gibt es vielversprechende Ergebnisse aus Labor- und Tierexperimenten. Das Team um die Psychologin Anna Katharina­ Koch von der Klinik für Naturheilkunde und Integrative Medizin der Kliniken Essen-Mitte durchforstete nun die Literatur auf der Suche nach klinischen Studien. Der einzige Treffer: Eine Pilotuntersuchung an 13 Patienten mit aktiver Colitis ulcerosa. Begleitend zur Standardtherapie erhielten sie über sechs Wochen im Schnitt täglich 840 mg Anthocyane. Nach sechs Wochen erreichten die meisten eine Remission und zeigten eine evidente Abnahme ihrer Symptome.

Belastbare klinische Daten bisher Fehlanzeige

Im Alltag der Betroffenen ist das heimische Superfood schon länger etabliert, schreiben die Autoren. Exemplarisch schildern sie den Fall einer Frau, die seit fast zwei Jahrzehnten mit ihren Beschwerden kämpft (s. Kasten). Ihren durchweg positiven Erfahrungen steht der Bericht eines Mannes gegenüber, dessen Leiden sich bisher weder mit Kortikosteroiden noch unter Adalimumab besserten. Der Heidelbeersaft linderte die Symptome zunächst auch bei ihm, langfristig brachte er jedoch keine Veränderung.

Diarrhö und Blutung mit Muttersaft gebremst

Seit 18 Jahren leidet Frau P. unter einer Colitis ulcerosa. Auf neue Schübe reagierte sie gemäß Empfehlungen stets mit systemischen Kortikosteroiden. Professor Dr. Jost Langhorst, einer der Studienautoren, riet ihr stattdesssen zu Heidelbeermuttersaft. Mit Beginn des nächsten Schubes trank Frau P. nun täglich 100 ml davon. Bereits nach einem Trunk verschwand der Durchfall, nach vier Tagen der blutige Stuhl. Gegenwärtig ist sie beschwerdefrei und fühlt sich deutlich besser.

Unterm Strich bleibt also ein Fragezeichen. Blaubeerpräparate aus getrockneten Früchten oder als konzentrierter Saft könnten positive Effekte auf die Krankheitsaktivität der Colitis ulcerosa haben. Bislang fehlen jedoch belastbare klinische Daten, die eine Wirksamkeit des Phytotherapeutikums untermauern.

Quelle: Koch AK et al. Z Phytother 2017; 38: 245-247