ADHS durch digitale Medien

Autor: Dr. Judith Lorenz

Gerade bei jungen Nutzern haben Soziale Medien einen großen Einfluss auf die Entwicklung, auch im negativen Sinne. © iStock.com/funstock

Smartphone und Social Media ändern alles, hieß es vor gerade einmal zehn Jahren. Allerdings nicht immer zum Guten: Der intensive Gebrauch der digitalen Medien könnte gefährliche Konsequenzen fürs junge Gehirn haben.

Je häufiger Jugendliche die modernen Medien oder ihr Smartphone nutzen, desto höher liegt offenbar ihr Risiko, Symptome der Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) zu entwickeln. Das ist das Ergebnis einer Beobachtungsstudie aus den USA, in der mehr als 2500 Highschool-Schüler im Alter von 15 und 16 Jahren über zwei Jahre hinweg beobachtet wurden.

Die Wissenschaftler um Chaelin K.Ra von der University of Southern California in Los Angeles hatten unter anderem die Aktivitäten in den sozialen Medien, das Posten, Teilen und Kommentieren von Bildern und Nachrichten, das Spielen von Online- und Videospielen sowie das Streamen und Herunterladen von Musik und Filmen erfasst. Bei den halbjährlichen Interviews wurden die Teenager auch zum Auftreten von Aufmerksamkeitsdefizit- bzw. Hyperaktivitäts-/Impulsivitäts-Symptomen befragt, etwa zu Schwierigkeiten bei der Organisation und der Ausführung von Aufgaben oder zu mangelnder Ausdauer.

Am Ende des Beobachtungszeitraums litten durchschnittlich 4,6 % der Schüler mit seltener, 9,5 % derjenigen mit mäßig intensiver und 10,5 % der Teilnehmer mit intensiver Mediennutzung an typischen ADHS-Symptomen. Insbesondere männliche, depressive sowie bereits straffällig gewordene Jugendliche waren betroffen. Ob aber tatsächlich ein kausaler Zusammenhang zwischen dem Medienkonsum und ADHS besteht und welche bislang nicht berücksichtigten Einflussfaktoren, beispielsweise familiäre Prädispositionen, hierbei eine Rolle spielen, müsse die zukünftige Forschung klären, schreiben die Autoren.

Die Adoleszenz stellt hinsichtlich der sozialen und kognitiven Reifung sowie der schulischen und akademischen Ausbildung eine vulnerable Entwicklungsphase dar, erinnert Dr. Jenny Radesky von der University of Michigan School of Medicine in Ann Arbor. Die neuen Medien hätten in dieser Zeit ein gefährliches Einflusspotenzial. Auch sie fordert weitere Studien, um zu beleuchten, über welche psychologischen Mechanismen der Internetkonsum ADHS-Manifestationen begünstigt und welche Maßnahmen dem entgegenwirken können.

1. Ra CK et al. JAMA 2018; 320: 255-263
2. Radesky J. A.a.O.: 237-239