Aerobes Training gegen Parkinson

Autor: Maria Weiß

Körperliche Fittness scheint per se neuroprotektiv zu wirken. © fotolia/Photographee.eu

Bisher ist es mit keinem Medikament gelungen, die Progression eines Morbus Parkinson aufzuhalten. Möglicherweise hilft regelmäßiger Sport.

Ein idiopathisches Parkinson-Syndrom schreitet meist sehr langsam fort. Trotz dopaminerger Therapie kommt es jedoch nach vielen Jahren häufig zu therapierefraktären motorischen Symptomen und Demenz. Bisher ließ sich nicht nachweisen, dass irgendwelche Medikamente diesen Prozess aufhalten. Einiges spricht jedoch zumindest indirekt dafür, dass durch ein regelmäßiges aerobes Training genau dies gelingen könnte, schreibt der Neurologe Dr. J. Eric­ Ahlskog­ von der Mayo Clinic in Rochester in einer Übersichtsarbeit.

  • In einer Vielzahl von Tierexperimenten ergab sich ein direkter positiver Einfluss von aeroben Übungen auf das Gehirn – einschließlich vermehrt freigesetzter neurotropher Hormone wie BDNF* und verstärkter Neuroplastizität.
  • Bei Gesunden sind regelmäßiges Sporteln und körperliche Fitness mit einem größeren Volumen des zerebralen Kortex und Hippocampus sowie weniger altersbedingten Hirnveränderungen assoziiert. Auch die Kognition verbessert sich und das Demenzrisiko sinkt.
  • Sport im mittleren Lebensalter geht mit einem signifikant reduzierten Parkinsonrisiko in höherem Alter einher.
  • Im funktionalen MRT lässt sich sowohl bei Gesunden als auch bei Parkinsonkranken nach mehrmonatigem aerobem Training eine verbesserte kortikale Aktivierung und Konnektivität erkennen.

Bisher fehlen jedoch randomisierte Langzeitstudien, die klar zeigen, dass langfristiges aerobes Training die Progression von Parkinson aufhält. Solche Untersuchungen wird es wahrscheinlich auch nie geben, schreibt Dr. Ahlskog.

Momentan die einzige Strategie mit Potenzial

Zum einen schreitet die Krankheit so langsam fort, dass man solche Untersuchungen viele Jahre bis Jahrzehnte fortführen müsste. Zum anderen fehlen zuverlässige frühe Biomarker für den Progress der neurodegenerativen Veränderungen. Weiterhin ist es sehr schwer, die zumeist schon älteren, körperlich eingeschränkten Patienten für ein langfristiges Programm bei der Stange zu halten.

Trotzdem reichen die Daten nach Meinung von Dr. Ahlskog aus, allen Parkinsonkranken routinemäßig ein regelmäßiges aerobes Training ans Herz zu legen. Körperliche Fitness scheint per se neuroprotektiv zu wirken – lässt sich aber nur durch regelmäßiges Ausüben aufrechterhalten. Bisher handelt es sich außerdem um die einzige Strategie, die zumindest das Potenzial besitzt, die Progression aufzuhalten.

Welches Training das beste ist, lässt sich nicht genau sagen. Nach der Literatur scheinen alle Aktivitäten, die die körperliche Fitness verbessern, zu helfen. Eine erhöhte Herzfrequenz, ein bisschen Schweiß und Erschöpfung nach dem Sport sollten somit schon dabei sein.

*brain-derived neurotrophic factor

Quelle: Ahlskog JE. Mayo Clin Proc 2018; 93: 360-372