Alkohol und Tabak: Mit 17 Jahren schon die ersten Gefäßschäden

Autor: Dr. Judith Lorenz

Geht es nach Kardiologen, sollen Tabak- und Alkoholprodukte künftig schwerer verfügbar sein. © iStock.com/Sturti

Schon während der Adoleszenz werden die Weichen für Herz-Kreislauf-Erkrankungen im Erwachsenenalter gestellt: Jugendliche, die rauchen oder Alkohol trinken, haben bereits im Alter von 17 Jahren deutlich steifere Arterien.

Die im Jahr 1991 gestartete „Avon Longitudinal Study of Parents and Children“ bietet die einmalige Möglichkeit, den Einfluss von Umwelteinflüssen und Verhaltensweisen auf die Gesundheit Jugendlicher zu objektivieren, berichten Dr. Marietta­ Charakida vom Institute of Cardiovascular Science am University College London und Kollegen¹.

Folgen bereits durch geringen Nikotinkonsum

Das Team wertete die Daten von 1266 Studienteilnehmern aus, die mit 13, 15 und 17 Jahren detaillierte Angaben zu ihren Rauch- und Trinkgewohnheiten machten. Bei allen Jugendlichen war zudem im Alter von 17 Jahren die Pulswellengeschwindigkeit zwischen der Karotis und der Femoralarterie, ein Maß für die aortale Gefäßsteifigkeit, bestimmt worden. Dieser Parameter gilt als kardiovaskulärer Prognosefaktor.

Das Ergebnis: Jugendliche Raucher wiesen unabhängig von der Intensität des Nikotinkonsums im Vergleich zu Nichtrauchern eine signifikant größere Arteriensteifigkeit auf. Auch mit zunehmendem Alkoholkonsum stieg das Risiko für Gefäßschäden. Diese Zusammenhänge blieben bei Berücksichtigung weiterer kardiovaskulärer Einflussfaktoren, beispielsweise des Geschlechts, des Cholesterinspiegels, der körperlichen Aktivität sowie einer familiären Belastung, signifikant. Zudem stellten die Forscher eine additive Wirkung beider Suchtmittel fest.

Deutschland steht im europäischen Vergleich schlecht da

Diese Studienergebnisse sind besorgniserregend, sagen die Editorialisten um Professor Dr. Thomas­ Münzel vom Zentrum für Kardiologie der Universitätsmedizin Mainz². Angesichts der großen Anzahl rauchender und Alkohol trinkender Teenager seien weitreichende politische Maßnahmen erforderlich, um Kinder und Jugendliche vor diesen Suchtmitteln sowie den damit verbundenen Herz-Kreislauf-Komplikationen zu schützen.

Deutschland stehe dabei im europäischen Vergleich schlecht da: Während beispielsweise in Großbritannien bereits Zigarettenautomaten abgeschafft wurden und – zum Schutz vor Passivrauchen – ein Rauchverbot in Autos eingeführt wurde, scheiterten bislang hierzulande alle diesbezüglichen Initiativen. Skandalös sei ferner, dass aufgrund der starken Lobby der Zigarettenindustrie in Deutschland als einzigem europäischem Land weiterhin Zigarettenwerbung erlaubt sei.

Altersgrenze erhöhen und Automatenverkauf verbieten

Abschließend fordern Prof. Münzel und seine Kollegen deutliche Einschränkungen der Verfügbarkeit von Tabak- und Alkoholprodukten, beispielsweise durch Heraufsetzen der Altersgrenze, Verbot von Zigarettenautomaten sowie Reduzierung der Verkaufsstellen. Auch drastische Preiserhöhungen sowie ein Werbeverbot, das die sozialen Medien mit einschließt, seien zielführend.

Quellen:
¹ Charakida M et al. Eur Heart J 2019; 40: 345-353
² Münzel T et al. A.a.O.: 354-356