Alkoholabstinenter Patient bediente sich im Badezimmer und landete auf der Intensivstation

Autor: Leoni Burggraf

Statt an Bier oder Schnaps bediente sich der Mann am Rasierwasser und Parfüm. © iStock/claudio.arnese

Bei einer Hepatitis denkt man als Auslöser meist an Viren oder Alkoholabusus. Bleibt die Ursache unklar, könnte eine toxische Medikamentenreaktion dahinterstecken, wie folgendes Fallbeispiel zeigt.

Gut ein Jahr hatte der 35-Jährige durchgehalten, dann war die Sucht stärker. Doch statt Schnaps oder Bier gab’s Rasierwasser und Parfüm, was ihn sieben Tage später mit anhaltenden Oberbauchschmerzen plus Übelkeit in die Praxis führte. Kollegen ermittelten eine vorbestehende Steatosis, im Labor fanden sich stark erhöhte Transaminasenwerte (> 60 000 ALAT bzw. ASAT > 16 000), Bilirubin (179 µmol/l) sowie Laktat (5,2 µmol/l). Präklinisch verschlechterte sich sein Zustand so rasant, dass er reanimiert werden musste und anschließend intubiert auf der Intensivstation landete. Was aber lag dem zugrunde?

Bereits 1986 beobachteten Wissenschaftler, was mittlerweile als Hy's Law bekannt ist, erklärte Privatdozent Dr. J­ohannes Hadem, Klinik für Gastroenterologie und Hepatologie des Universitätsklinikums Magdeburg. Demnach verschärfen ein Anstieg der Aminotransferasen um mehr als das Dreifache der Norm plus einer Verdopplung des Bilirubins sowie erhöhte akalische Phosphatasewerte (< 2 obere Normgrenze) das Risiko für ein akutes Leberversagen.

Namensgeber Dr. Hyman Zimmerman berichtete von einer erhöhten Mortalität um 10–50 %. Vergleicht man Hy's Law mit den Laborwerten des 35-jährigen Fallpatienten, könnte ein drogeninduzierter Leberschaden (DILI*) vorliegen. Tatsächlich gilt die Diagnose hierzulande als Ursache Nummer eins für ein akutes Leberversagen. Dr. Hadem appellierte daher an Kollegen, während der Anamnese nicht nur auf den Alkoholkonsum zu schauen, sondern auch Infos über eingenommende Medikamente einzuholen.

Aufhorchen sollte man z.B. bei Amoxicillin, Ciprofloxacin, Paracetamol oder Phytotherapeutika. Cave: Medikamentendosis beachten. Dosen von mehr als 50 mg ließen das Risiko für Tod bzw. Transplantation in einer US-amerikanischen Kohorte um 40 % ansteigen. Differenzialdiagnostisch müssen Ärzte ein DILI v.a. von biliären Erkrankungen (13 %) oder einer Autoimmunhepatitis (12 %) abgrenzen.

Patient ließ sich Tabletten subkutan implantieren

Beim Patienten stellte sich schließlich heraus, dass er sich – im Bestreben, seine Alkoholabhängigkeit zu besiegen – im Ausland Disulfiram hatte implantieren lassen. Dafür wurden Tabletten in eine subkutane Tasche über dem Gesäß eingebracht. Der Rückfall löste dann die toxische Reaktion aus, da der Alkohol nicht mehr abgebaut wurde. Nach Explantation der Tabletten erholte er sich rasch.

* drug-induced liver injury

Quelle: 124. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin e.V.