Als Kind Colitis oder Crohn, als Erwachsener Krebs

Autor: Tobias Stolzenberg

Kinder mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen tragen ein erhöhtes Krebsrisiko. © iStock/Ben-Schonewille

Kinder mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen tragen ein erhöhtes Krebsrisiko – insbesondere für gastrointestinale Malignome. Auch im späteren Leben verliert sich die Gefahr nicht.

Eine umfangreiche Kohortenstudie schwedischer Wissenschaftler zeigte, dass von 9405 Kindern mit Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn 497 im späteren Leben an Krebs erkrankten. Das entspricht 3,3 Neuerkrankungen pro 1000 Personenjahren. In einem Vergleichskollektiv von 92 870 Personen aus der Allgemeinbevölkerung traten 2256 Tumoren auf. Das entspricht 1,5 Neuerkrankungen pro 1000 Personenjahren.

Damit wäre das Erkrankungsrisiko dieser Patienten gegenüber der Referenzgruppe mehr als verdoppelt. Insgesamt, so betonen die Wissenschaftler um Dr. Ola Olén, Karolinska Institut in Stockholm, aber ausdrücklich, sei das absolute Risiko für die Betroffenen gering und entspreche einer zusätzlichen Tumorerkrankung pro Jahr auf 556 Patienten mit chronisch entzündlicher Darmerkrankung (CED).

Konkret werteten die Wissenschaftler Daten aus einem Zeitraum von 1964 bis 2014 aus. Dabei ermittelten sie das Krebsrisiko für Kinder, bei denen vor Vollendung des 18. Lebensjahres eine CED diagnostiziert worden war. Mit Abschluss der Untersuchung betrug das Durchschnittsalter der Patienten 30 Jahre.

Als einen wichtigen Risikofaktor für die spätere Tumorentstehung machten die Krebsforscher die primär sklerosierende Cholangitis aus, die sie bei 7 % der Kinder mit CED fanden. Neben der langandauernden Darmentzündung stellten sich auch chronische Lebererkrankungen als deutliche Risikofaktoren für diese Kinder dar, ebenso Malignome in der Familienanamnese.

Dass sich für die jungen Patienten ein erhöhtes Krebsrisiko innerhalb der ersten Jahre des Follow-up zeigte, führen die Forscher auf die gründlichere Untersuchung der Patienten in dieser Zeit zurück. Kam es zu einer Krebserkrankung, waren es in 40 % der Fälle gastrointestinale Tumoren, darunter vorwiegend Leber- und Kolorektalkarzinome. Aber auch nicht-melanozytäre Hauttumoren, Melanome sowie Lymphome traten vergleichsweise häufiger auf.

Inflammatorische Prozesse treiben Entstehung voran

Insgesamt sei die Datenlage noch zu dünn, um den Zusammenhang zwischen der CED im Kindesalter und einer Krebserkrankung beim Erwachsenen zweifelsfrei zu klären, geben die Wissenschaftler zu bedenken. Ihre Daten ließen auch nicht erkennen, ob Medikamente das Krebsrisiko erhöhen könnten. Wahrscheinlich sei aber, dass es die Entzündungsprozesse der CED sind, die die Tumorentstehung vorantreiben.TSt

Quelle. Olén O et al. BMJ 2017; 358: j3951