Arthritis: An der Synoviauntersuchung führt kein Weg vorbei

Autor: Dr. Dorothea Ranft

Manchmal stecken noch weitere Erkrankungen hinter den schmerzenden Gelenken. Manchmal stecken noch weitere Erkrankungen hinter den schmerzenden Gelenken. © iStock/ljubaphoto

Ein 67-Jähriger kommt mit akuter Oligoarthritis und subfebriler Temperatur in die Klinik. Vor Jahren hatte er eine beidseitige Gonarthritis mit intrazellulären Uratkristallen – ein klarer Fall?

Die aktuelle Oligoarthritis betraf beide Ellenbogen und beide Kniegelenke. Das Aufnahmelabor ergab erhöhte Werte von CRP, Procalcitonin und Leukos sowie eine Harnsäure von 15,8 mg/dl. Wegen des Verdachts auf eine infektiöse Arthritis erfolgte eine Punktion des rechten Ellenbogengelenks und beider Kniegelenke. Nachgewiesen wurde eine Pseudogicht mit Calcium-Pyrophosphat-Kristallen sowie eine Gichtarthropathie.

Eine septische Arthritis ließ sich nicht finden, schreiben Dr. Felix Müller und Kollege vom Universitätsklinikum Augsburg, Sektion Rheumatologie, in ihrem Poster. Nach Spülung und Drainage beider Kniegelenke erfolgte eine empirische Antibiose mit Ampicillin/Clavulansäure, die wegen weiter steigernder Entzündungsmarker auf Meropenem eskaliert wurde. Alle Kulturen blieben aber steril. Das Dual-energy-CT zeigte reichlich Uratkristall-Ablagerungen im rechten Kniegelenk.

Die Differenzialdiagnose akuter entzündlicher Arthropathien umfasst neben infektiösen Gelenkentzündungen auch Systemerkrankungen, v.a. Kristallarthropathien, betonen die Autoren.

Das Punktat auch auf Erreger untersuchen

Anhand von CRP, Procalcitonin und Leukos im Punktat gelingt eine sichere Unterscheidung meist nicht. Schließlich kommt es auch bei der Gicht zum Anstieg von Leukos und CRP. Goldstandard der Dia­gnostik bleibt deshalb die Punktion mit Synovia-Analyse und Kultur.

Da Arthritis urica und infektiöse Arthritis manchmal gleichzeitig auftreten, ist die mikrobiologische Analyse von Gelenkpunktaten obligat. Zudem tragen Patienten mit Gichtarthropathie ein erhöhtes Risiko für eine Pseudogicht. An der integrativen Beurteilung von Anamnese, Klinik, Labor, Synoviaanalyse und Bildgebung führt also nach wie vor kein Weg vorbei.

Quelle: 47. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie