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Asthmatherapie in der Schwangerschaft – fortführen oder absetzen?

Autor: Dr. Elke Ruchalla

Die Gefahren für das Ungeborene seien höher, wenn Schwangere ein notwendiges Präparat absetzen. Die Gefahren für das Ungeborene seien höher, wenn Schwangere ein notwendiges Präparat absetzen. © iStock/Mykola-Sosiukin
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Ist es riskanter, wenn eine asthmakranke Schwangere ihre Medikamente weiter einnimmt oder wenn sie sie absetzt? Britische Forscher sind dieser Frage bei mehr als 107 000 Geburten nachgegangen.

Ärzte stellen bei Schwangeren immer häufiger die Diagnose „Asthma“. In Großbritannien ist mittlerweile knapp jede zehnte werdende Mutter betroffen. Wie sich die Erkrankung und die notwendige medikamentöse Therapie auf das Ungeborene auswirken, diskutieren Mediziner heftig. Dr. Gareth Davies von der Faculty of Health and Life Science der University of Swansea und seine Kollegen haben versucht, Klarheit in die Angelegenheit zu bringen.

Für ihre Kohortenstudie griffen sie auf eine walisische Datenbank zurück und analysierten die Daten von über 107 000 Geburten nach der 24. Gestationswoche aus den Jahren 2000–2010. Für die jeweiligen Mütter waren Informationen zu Krankengeschichte und Verschreibungen vorhanden.

Vor und während der Schwangerschaft hatten 11,8 % der Frauen Medikamente gegen ihr Asthma verschrieben bekommen – kurz- oder langwirksame Beta-2-Mimetika, inhalative und/oder orale Kortikosteroide sowie Leukotrienantagonisten. 28 % von ihnen hatten die Therapie vor der Gravidität beendet.

Vergleichsweise geringer Einfluss aufs Geburtsgewicht

Die Wissenschaftler setzten die mütterlichen Daten u.a. in Beziehung zu Totgeburten, Frühgeburten (vor der 37. bzw. 32. abgeschlossenen Schwangerschaftswoche, SSW) und einem zu niedrigen Geburtsgewicht (unterhalb der zehnten Perzentile; die 50er Perzentile entsprach dem Median). In allen Berechnungen korrigierten sie für den sozioökonomischen Status, Nikotinkonsum während der Schwangerschaft, Zahl der Schwangerschaften insgesamt, Geburtsjahr des Kindes und Alter der Mutter.

Bei ihrer Analyse fanden die Forscher heraus, dass die Verschreibung eines Asthmamedikaments das Risiko für Totgeburten um 56 % erhöhte. War die Therapie während der Gravidität abgesetzt worden, stieg es um 91 %. Das Risiko für Frühgeburten vor der 32. Woche wurde durch jegliche Asthmamedikation um 33 % erhöht, während diese auf Frühgeburten vor der 37. SSW keinen Einfluss zu haben schien. Als bedeutsamerer Faktor erwies sich das Absetzen. Es erhöhte sowohl das Risiko für Frühgeburten vor der 32. SSW (adjustierte Odds Ratio, aOR 1,53) als auch vor der 37. SSW (aOR 1,22). Für die Assoziation von Asthmatherapie und Geburtsgewichtunterhalb der zehnten Perzentile errechneten die Studienautoren eine von aOR von 1,1.

Gefahren für den Fetus abwägen

Nach den Ergebnissen von Dr. Davies und Kollegen ist also das Verschreiben von Asthmamedikamenten mit einer höheren Wahrscheinlichkeit für Frühgeburt und geringem Geburtsgewicht verbunden. Die Gefahren für das Ungeborene seien aber höher, wenn Schwangere ein notwendiges Präparat absetzen statt es weiterhin einzunehmen, betonen die Kollegen.

Quelle: Davies G et al. PLoS One 2020; 15: e0242489; DOI: 10.1371/journal.pone.0242489

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