Banaler Husten endet bei Kindern nach vier Wochen

Autor: Dr. Judith Lorenz

Oft ist es nur eine normale Erkältung. Hält der Husten aber über einen Monat lang an, ist ein Arztbesuch ratsam. © fotolia/Olesia Bilkei

Die meisten Atemwegsinfekte in der pädiatrischen Praxis sind viral bedingt und selbstlimitierend. Länger als vier Wochen andauernder produktiver Husten kann allerdings auf eine ernste Lungen­erkrankung hindeuten.

Für Kinder im Vorschulalter sind sechs bis zehn Erkältungen pro Jahr nichts Ungewöhnliches. Durch das ständige Husten des Kindes beunruhigt, nehmen viele Eltern – vor allem während der kalten Jahreszeit – wiederholt ärztliche Hilfe in Anspruch.

Glücklicherweise kann in den meisten Fällen Entwarnung gegeben werden, berichten Professor Dr. Fernando Maria de Benedictis­, Direktor der Abteilung für Pädia­trie am Salesi Children’s Hospital im italienischen Ancona, und Professor Dr. Andrew Bush vom Royal Brompton Hospital in London. Folgen auf die akuten Hustenepisoden immer wieder mehrtägige hustenfreie Perioden und ist der Allgemeinzustand des Kindes nicht wesentlich beeinträchtigt, handelt es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um rezidivierende virale Infekte, die selbstlimitierend verlaufen.

Für die Eltern ist es dann beruhigend zu wissen, dass Kinder länger als üblicherweise angenommen an Erkältungsbeschwerden leiden: Ein akuter Husten dauert im Kindesalter bis zu 25 Tage, ein Schnupfen bis zu 15 Tage und unspezifische respiratorische Symptome bis zu 16 Tage.

Leidet ein Kind dagegen länger als einen Monat täglich an einem produktiven oder an einem sich „produktiv anhörenden“ – die meisten Kinder sind noch nicht zur Sputumexpektoration in der Lage – Husten, muss eine weitere Diagnostik zum Ausschluss schwerwiegender Ursachen eingeleitet werden. Gleiches gilt für Patienten mit drei oder mehr dokumentierten Infekten der unteren Atemwege (Bronchitis, Bronchiolitis, Pneumonie) pro Jahr.

Die Basisdiagnostik bei rezidivierenden Infekten der unteren Atemwege, so die beiden Autoren weiter, umfasst die gründliche Anamnese sowie die körperliche Untersuchung der Patienten. Neben der Häufigkeit der Infektepisoden inklusive jahreszeitlichen Zusammenhangs sowie der Dauer und der Art des Hustens sollten weitere Symptome wie Fieber, Gewichtsverlust, Müdigkeit, vermehrtes Schwitzen und Kurzatmigkeit ebenso wie Risikofaktoren (Frühgeburtlichkeit, Atopie, Wohnmilieu) erfragt werden.

Die Lunge nicht nur abhören, sondern auch palpieren

Ein bei Kindern häufig übersehenes körperliches Warnsymptom sind Trommelschlegelfinger. Zudem sollte die Lunge nicht nur auskultiert, sondern auch palpiert werden, da sich hierdurch lokale Sekret­ansammlungen nachweisen lassen. Differenzialdiagnostisch kommen unter anderem persistierende bakterielle Brochiolitiden, Bronchiektasien, eine Tuberkulose, Pertussis, eine Fremdkörperaspiration, eine primäre ciliäre Dyskinesie, eine zys­tische Fibrose, eine Immunschwäche sowie ein Asthma infrage.

Dem Nachwuchs auf die Finger schauen!

Eine Bronchiektasie ist gut behandelbar und sollte keinesfalls übersehen werden. Einige Red-Flag-Symptome:

  • wiederkehrender oder chronischer, produktiver Husten (4–8 Wochen)
  • atypisches Asthma, das nicht auf Therapie anspricht
  • Trommelschlegelfinger
  • atypische Organismen im Sputum (z.B. Staphylococcus aureus, Pseudomonas aeruginosa)
  • dauerhafter oder wiederkehrender auffälliger Röntgenbefund

Prof. de Benedictis und Prof. Bush weisen jedoch darauf hin, dass im Kindesalter einem isolierten Hus­ten, insbesondere ohne Vorliegen von Atopiesymptomen, nur selten ein Asthma zugrunde liegt. Ohne weitere objektive Diagnostikverfahren, beispielsweise die Spirometrie, droht in vielen Fällen eine Überdiagnose des Asthma bronchia­le. Lediglich bei sehr jungen Patienten, die sich noch nicht für eine Lungenfunktionsuntersuchung eignen, kann die Diagnose ohne apparative Tests anhand des Ansprechens auf eine probatorische Therapie mit inhalativen Kortikosteroiden gestellt werden.

Meist keine weitere Diagnostik oder Therapie nötig

Bei den meisten Kindern mit rezidivierenden Atemwegsinfekten sind weder eine bildgebende Diagnostik, Laborentnahmen noch eine anti­biotische Therapie indiziert, schließen die Autoren. Voraussetzung ist allerdings ein unauffälliger körperlicher Untersuchungsbefund, das Fehlen extrapulmonaler Manifestationen oder Gedeihstörungen sowie eine unauffällige Familienanamnese bezüglich schwerer Infektionen oder genetischer Belastungen.

Besteht der Verdacht auf eine Lungenerkrankung – sowie in zweifelhaften Fällen –, empfehlen die Experten, eine Röntgenuntersuchung des Thorax, ein Blutbild sowie eine quantitative Bestimmung der Serum-Immunglobuline zu erwägen. 

Quelle: de Benedictis FM, Bush A. BMJ 2018; 362: k2698