Basaliom und Spinaliom von ihren Differenzialdiagnosen unterscheiden

Autor: Dr. Dorothea Ranft

Basaliome (links) erscheinen meist als „nicht heilende“ Knötchen. Spinaliome (rechts) sind hyperkeratotische Plaques mit indu­rierter Basis. Sie bluten schnell. Basaliome (links) erscheinen meist als „nicht heilende“ Knötchen. Spinaliome (rechts) sind hyperkeratotische Plaques mit indu­rierter Basis. Sie bluten schnell. © wikimedia/Klaus D. Peter; wikimedia/Bin im Garten

„Heller“ Hautkrebs wird häufiger diagnostiziert als alle anderen Karzinome zusammen­genommen. Umso wichtiger ist es für Sie, die nicht-melanozytären Malignome auseinanderhalten zu können – auch ohne Dermato­skop oder Biopsie.

Handelt es sich bei dem verdächtigen Hautbefund um ein Basalzell- oder doch um ein Plattenepithelkarzinom? Die Antwort entscheidet darüber, wie rasch ein Patient zum Dermatologen überwiesen werden sollte. Wichtige Hinweise auf die Tumorentität liefern bereits Inspektion und Palpa­tion. Dehnen Sie dabei die Haut, um das Ausmaß besser abzuschätzen. Subtile Verdickungen bis ins umliegende Gewebe z.B. finden sich insbesondere beim Basaliom. Entfernen Sie Krus­ten und Schuppen mit einem Alkoholtupfer. Blutet die darunterliegende Läsion, spricht das eher für ein Spinaliom, erklären Hayley Smith vom Nottingham NHS Treatment Centre und Kollegen.

Risikofaktoren für nicht-melanozytären Hautkrebs

  • patientenbezogen:
    Alter > 40 Jahre, Hauttyp I und II (Basaliominzidenz 10- bis 20-fach höher), positive Anamnese bzgl. Hauttumoren
  • UV-Exposition/Umwelteinflüsse:
    Ein 12-minütiger Solariengang pro Woche über 15 Jahre erhöht das Risiko, bis zum 55. Lebensjahr ein Spinaliom zu entwickeln, um 90 %.
  • chronische Entzündung:
    Spinaliome können sich auf dem Boden von chronischen Ulzera, Narben, Verbrennungen und entzündlichen Dermatosen ausbilden. Ähnliches gilt für Basaliome.
  • Immunsuppression:
    Nach einer Organtransplantation ist das Risiko für ein Spinaliom 65-fach erhöht, für ein Basaliom 10-fach. Eine chronisch lymphatische Leukämie verneunfacht die Inzidenz von Plattenepithelkarzinomen.
  • genetische Erkrankungen:
    Xeroderma pigmentosum geht bereits im Alter von 20 Jahren mit einer 10 000-fach gesteigerten Inzidenz für nicht-melanozytäre Karzinome der Haut einher. Auch Albinismus und das autosomal dominant vererbte Gorlin-Syndrom erhöhen das Risiko.

Aktinischen Keratosen fehlt die Druckempfindlichkeit

Charakteristisch für das spinozelluläre Karzinom ist eine hyperkeratotische Plaque mit indurierter Basis. Die Läsion ist häufig schmerzhaft, druckempfindlich, erodiert oder ulzeriert und nimmt rasch an Größe zu (innerhalb von 4–12 Wochen). Das begleitende Cornu cutaneum, eine krallenähnliche Verhornung, kann sich auch auf benignen Hautveränderungen bilden. Bei Schmerzen, Induration und einem Erythem an der Basis liegt vermutlich Malignität vor. Ebenso, wenn der Durchmesser des Gesamtbefundes die Höhe des „Horns“ übersteigt.

Als wichtige Differenzialdiagnose zum Spinaliom nennen die Autoren dessen „Vorstufe“, die aktinische Keratose. Denn ähnlich wie beim manifesten Krebs kennzeichnen schuppige Plaques die Präkanzerose. Allerdings fehlen Merkmale wie Druckempfindlichkeit und Induration. Die Progressionsneigung ist übrigens gering: Pro Jahr entsteht maximal aus einer von 1000 Keratosen ein Plattenepithelkarzinom. Einem Cochrane-Review von 2012 zufolge bleibt zudem unklar, ob sich das Spinaliomrisiko durch die Behandlung aktinischer Keratosen senken lässt. Bei der Therapieentscheidung sollte deshalb die Patientenpräferenz berücksichtigt werden.

Basaliome wachsen langsam und sind asymptomatisch

Basalzellkarzinome präsentieren sich typischerweise als „nicht heilende“ Knötchen (bzw. wunde Stellen). Die Läsion wächst aber nur langsam über einen Zeitraum von Monaten bis Jahren und verursacht keine weiteren Symptome. Basaliome werden anhand ihres Aussehens in verschiedene Gruppen eingeteilt.

  • Mit 50–70 % trifft man am häufigsten auf die noduläre Form („aufgerollter“ Rand, Teleangiektasien, zentrale Vertiefung mit oder ohne Erosion/Ulzeration).
  • Seltener ist mit einem Anteil von 5 % das superfizielle Basalzellkarzinom, das üblicherweise als rosafarbener, langsam wachsender schuppiger Fleck imponiert.
  • Die sklerosierende Form ähnelt einer weißen Narbe und wächst oft stärker infiltrierend als es von außen scheint.
  • Pigmentierte Basaliome machen etwa 6 % der Fälle aus und können wegen der braunschwarzen perlmuttartigen Knötchen oder Plaques einem Melanom täuschend ähnlich sehen.

Bei Spinaliomverdacht braucht der Betroffene umgehend einen Facharzttermin, spätestens nach zwei Wochen. Liegt ein Basalzellkarzinom vor, genügt eine normale Überweisung. Sinnvoll ist zudem eine Fotodokumentation, v.a. bei Unsicherheiten. Grundsätzlich kann auch ein Hausarzt im Rahmen der kleinen Chirurgie noduläre Niedrigrisiko-Basaliome entfernen (4–5 mm Sicherheitsabstand), so die Kollegen.

Differenzialdiagnostisch kommen diverse benigne und maligne Läsionen in Betracht. Zu den gutartigen gehören neben Talgdrüsenhyperplasien (hautfarbene Papeln, evtl. mit zentraler Einkerbung) und Dermatofibromen (derbe Knoten) die Keratoakanthome. Wie Spinaliome haben sie mitunter ein kraterförmiges Aussehen und vergrößern sich innerhalb weniger Wochen stark. Der Unterschied: Sie bilden sich danach von selbst zurück.

Intradermale Naevi können als langsam wachsende, hautfarbene Läsionen Basaliomen ähneln. Ihnen fehlt aber die perlmuttglänzende Oberfläche und etwaige Teleangiektasien sind nicht verzweigt. Bei schuppigen Plaques sollte man immer auch an eine Psoriasis, ein Ekzem und eine Tinea denken.

Rosarote Knötchen können verschiedene Karzinome sein

Maligne Differenzialdiagnosen umfassen das Merkelzell-Karzinom, welches sich mit rosafarbenen bis roten Knötchen in sonnenexponierten Arealen ausbildet. Das atypische Fibroxanthom (rote, oft ulzerierte Noduli) befällt vor allem sonnengeschädigte Areale an Kopf und Nacken. Amelanotische Melanome sind rote bis pinke Knoten mit oder ohne Ulzeration. All diese Erkrankungen zeichnen sich durch ein schnelles Wachstum aus, weshalb Sie jeden Verdacht zeitnah überweisen sollten.

Quelle: Smith H et al. BMJ 2020; 368: m692; DOI: 10.1136/bmj.m692


Basaliom am Nasenrücken Basaliom am Nasenrücken © wikimedia/Bin im Garten
Spinaliom an der Nase Spinaliom an der Nase © wikimedia/Klaus D. Peter