Bei jungen Krebspatienten an die Hormone denken

Autor: Dr. Anna-Lena Krause

Jeder zehnte Patienten mit Hodgkinlymphom entwickelte eine Schilddrüsenunterfunktion. © iStock_Shidlovski

Gerade für Jugendliche und junge Erwachsene spielen die Langzeitfolgen einer Krebstherapie eine wichtige Rolle. Dänische Wissenschaftler haben untersucht, wie sehr die durchgemachte Erkrankung das Hormonsystem belasten kann.

Krebsüberlebende haben neben der erhöhten Gefahr für kardiovaskuläre, gastrointestinale und Infektionserkrankungen unter anderem auch öfter endokrine Störungen. Wie hoch das Risiko für Letztere ist, haben Forscher in einer Kohortenstudie untersucht.

Im Mittel 10 Jahre lang beobachteten sie 32 548 Personen, bei denen im Alter zwischen 15 und 39 Jahren Krebs diagnostiziert wurde und die die Erkrankung überlebt hatten. Die Patienten wurden mit einer alters- und geschlechtsangepassten Kontrollgruppe von 188 728 tumorfreien Einwohnern Dänemarks verglichen.

Insgesamt wurden 6,5 % der Krebsüberlebenden aufgrund einer endokrinen Erkrankung in einer Klinik behandelt, schreiben Dr. Mette Vestergaard­ Jensen vom Danish Cancer Society Research Center in Kopenhagen und ihre Kollegen. Im Vergleich zur Kontrollgruppe entspricht dies einer Risikoerhöhung um 73 %.

Am meisten gefährdet waren die ehemaligen Tumorpatienten für eine Unterfunktion von Hoden (Hospitalisationsratenverhältnis: 75), Ovarien (15) und Hypophyse (11). Personen mit Leukämie in der Vergangenheit waren viermal anfälliger für eine hormonelle Erkrankung, die mit Hodgkinlymphom hatten eine dreifach gesteigerte Wahrscheinlichkeit. Unter Letzteren entwickelte jeder Zehnte eine Schilddrüsenunterfunktion (Kontrollgruppe: 1,4 %).

Vor der Tumortherapie die Zeit danach berücksichtigen

In den letzten Jahrzehnten haben sich die Überlebenschancen für Patienten mit malignen Erkrankungen enorm verbessert. Daher fordern die dänischen Wissenschaftler, bei der Wahl der Therapie nicht nur die Heilung vom Karzinom als Ziel zu haben. Auch das Leben nach dem Krebs solle durch die Behandlung möglichst wenig beeinträchtigt werden. Zudem sei es wichtig, diese Patientengruppe endokrinologisch zu beraten und nachzubetreuen.

Quelle: Vestergaard Jensen M et al. JAMA Network Open 2018; 1: e180349