Anzeige

Prostatakrebs Beim Prostatakarzinom auf die familiäre Häufung achten

Autor: Dr. Angelika Bischoff

Wenn in der Familie gehäuft Prostatakarzinome auftreten, sollte schon früher mit einem regelmäßigen PSA-Screening begonnen werden. Wenn in der Familie gehäuft Prostatakarzinome auftreten, sollte schon früher mit einem regelmäßigen PSA-Screening begonnen werden. © iStock/jarun011
Anzeige

Bei 20 % der Patienten mit Prostatakarzinom gibt es mindestens einen Verwandten ersten Grades, der ebenfalls an diesem Tumor erkrankt ist oder war. Was bedeutet das für Vorsorge und Therapie?

Eine familiäre Disposition spielt bei keiner Tumor­erkrankung eine so wichtige Rolle wie beim Prostatakarzinom (PCa). Bei besonders ausgeprägter familiärer Häufung spricht man von einem hereditären PCa. Als Kriterien dafür gelten, wenn mindestens drei Familienmitglieder ersten Grades ebenfalls erkrankt sind, Angehörige über mindestens drei Generationen betroffen waren oder sind oder wenn die Diagnose bei mindestens zwei der Verwandten ersten Grades schon in einem Alter ≤ 55 Jahren gestellt wurde. Einer dieser Punkte trifft für etwa 10 % der PCa-Patienten zu, schreiben Dr. ­Valentin ­Meissner und Kollegen, Klinikum rechts der Isar, München.

Doch mit der Abnahme kinderreicher Familien und der Zunahme kinderloser Beziehungen wird es immer schwieriger, ein hereditäres PCa anhand dieser Kriterien von einem sporadischen abzugrenzen. Denn wenn es außer dem Vater keine Angehörigen ersten Grades gibt, kann man zur Heredität nichts aussagen und klassifiziert diese Fälle vielleicht fälschlicherweise als sporadisch.

Vererbbare Karzinome oft in jüngeren Jahren entdeckt

Die nationale Datenbank „Familiäres Prostatakarzinom“ erfasst seit 1994 PCa-Fälle in Deutschland unabhängig von der Familienanamnese. Etwa 40 000 Patienten aus 33 000 Familien sind bisher darin aufgenommen. Analysen zeigen, dass das familiäre PCa etwa 2–3 Jahre und das hereditäre 6–7 Jahre früher diagnostiziert wird als das sporadische. Inwieweit dies auf eine intensivere Vorsorge zurückgeht oder die Krankheit tatsächlich früher beginnt, ist nicht klar.

Unterschiede im Verlauf, beispielsweise hinsichtlich des rezidivfreien Überlebens nach einer kurativen Behandlung, konnten in dieser und in anderen Untersuchungen nicht identifiziert werden. Lediglich bei ausschließlicher Betrachtung hereditärer PCa gibt es Hinweise auf ein geringeres biochemisch rezidivfreies Überleben.

Zu anderen Ergebnissen kommt eine Analyse der nationalen schwedischen Krebsdatenbank. Die Untersuchungen ergaben, dass das Risiko, an einem PCa zu versterben, mit der Zahl ebenfalls betroffener Verwandter ersten Grades steigt. Zu erklären ist das unterschiedliche Bild damit, dass in der schwedischen Datenbank Fälle unabhängig von Therapien oder Verläufen erfasst wurden (d.h. auch Patienten mit Hochrisiko- oder metastasiertem PCa enthalten waren). In den o.g. Studien wurden dagegen nur Männer nach Prostat­ektomie untersucht. Patienten mit hereditärem PCa (Vater und zwei Brüder betroffen) hatten ein erhöhtes Risiko für ein Hoch­risiko-PCa im Alter von 65 Jahren.

Für die Praxis gilt, dass Männern mit positiver Familienanamnese empfohlen werden sollte, ab einem Alter von 40 Jahren jährlich den PSA-Wert messen zu lassen. Wenn ein Tumor diagnostiziert wird, sollte eine frühzeitige intensive Therapie angestrebt werden. Ist eine kurative Behandlung erfolgt, brauchen die Patienten für den weiteren Verlauf der Erkrankung keine negativen Konsequenzen der familiären Disposition zu befürchten, sofern keine Keimbahnmutation nachgewiesen wurde.

Aggressivere Tumoren bei bestimmten Mutationen

Durch genomweite Kopplungsanalysen konnte man in den letzten zehn Jahren Keimbahnmutationen mit hoher Penetranz bei Patienten mit familiärem oder hereditärem PCa identifizieren. Patienten mit solchen Mutationen von Protoonkogenen und Tumorsuppressorgenen, z.B. HOXB13 oder BRCA2, erkranken häufiger frühzeitig an aggressiven Tumoren. Allerdings lassen sich nur etwa 5 % der Prostatakarzinome durch solche Vererbungsmuster erklären. Wenn Keimbahnmutationen in belasteten Familien nachgewiesen sind, sollte dem Mann bei der PCa-Vorsorge auch eine genetische Beratung angeboten werden.

Quelle: Meissner VH et al. Urologe 2021; 60: 567-575; DOI: 10.1007/s00120-021-01491-y

Anzeige