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Besseres Schmerzmanagement bei juveniler idiopathischer Arthritis gefordert

Autor: Dr. Barbara Kreutzkamp

Die jungen Patienten werden oft nicht ernst genommen und es wird „mit den Augen gerollt“. Die jungen Patienten werden oft nicht ernst genommen und es wird „mit den Augen gerollt“. © iStock/Khosrork
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Für die Patienten haben sie einen hohen Stellenwert, für das medizinisches Personal weniger: So sieht die Lage zu Schmerzen bei juveniler idiopathischer Arthritis aus. Forscher fordern deshalb ein Umdenken.

Chronische Schmerzen und damit einhergehende Beeinträchtigungen im täglichen Leben kennt fast jeder mit juveniler idiopathischer Arthritis (JIA). Doch zu selten steht diese oft am meisten belastende Symptomatik im Vordergrund des therapeutischen Handelns. Das bestätigt eine Studie, in der britische Forscher Kinderrheumatologen, Pädiater, Krankenschwestern sowie Ergo- und Physiotherapeuten von JIA-Spezialambulanzen nach ihren Behandlungsgrundsätzen und Sichtweisen bei JIA interviewt haben.

Therapeuten fühlen sich schlecht ausgebildet

Die meisten der 21 Befragten gaben an, zu wenig über Erfassung und Management von Schmerzen bei den JIA-Patienten zu wissen und kritisierten, dass sie nicht hinreichend diesbezüglich ausgebildet wurden. Weiterhin redeten viele nicht gerne über die Thematik und vermieden teilweise sogar ein Gespräch darüber – auch wenn die Erkrankten sie direkt darauf ansprachen. Dementsprechend haben Schmerzen in den rheumatologischen Spezialambulanzen eher eine geringe Priorität beispielsweise im Vergleich zum Assessment von Funktionsstatus und Krankheitsaktivität.

Die Mehrheit der Teilnehmer dachte, dass Schmerzen nicht genuin zur JIA gehören und sie dies auch ihren Patienten vermitteln wollen. Viele waren fälschlicherweise außerdem der Meinung, dass mit höherer Krankheitsaktivität proportional auch die Schmerzen zunehmen. Somit vertrauten die Rheumatologen stark in die pharmakologische Antiinflammationsintervention –  in der Hoffnung, dass die Therapie beide Aspekte lindert. Aufgrund dieser Ansicht äußerten die Ergo- und Physiotherapeuten ihre Sorgen hinsichtlich einer Übermedikation.

Patienten, die trotz ausreichender Krankheitskontrolle ihren Arzt aufsuchten, waren oftmals weniger gern gesehen, bei ihrem Erscheinen wurde „mit den Augen gerollt“ und die Berichte wurden nicht ernst genommen. Persistierten die Schmerzen trotz entzündungshemmender Behandlung, gruppierten sie Ärzte als nicht­-entzündlich ein und überwiesen Betroffene.

Schmerzen erkennen und darüber reden

Für die Behandlung sind diese Einstellungen kontraproduktiv, meinen die Autoren um Rebecca­ Rachael­ Lee, NIHR Manchester Musculo­skeletal Biomedical Research Centre, Central Manchester University Hospitals NHS Foundation Trust. Sie fordern, dass Schmerzmanagement höher zu priorisieren. Zwar könne man möglicherweise die Schmerzen in spezialisierten Ambulanzen besser behandeln, doch erkannt und kommuniziert werden muss dieses Thema auch von den JIA-Spezialisten.

Quelle: Lee RR et al. Arthritis Care Res (Hoboken) 2020; 72: 69-77; DOI: 10.1002/acr.23827

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