Bremsabrieb genauso gesundheitsschädlich wie Dieselabgase?

Autor: Dr. Dorothea Ranft

Bremsabrieb ist kann unserem Immunsystem schaden. © disq – stock.adobe.com

Etwa 20 % des Feinstaubs auf Straßen geht auf den Abrieb von Bremsbelägen zurück. Eine Studie zeigt: Die gesundheitlichen Folgen sind womöglich ähnlich wie die von Dieselabgasen.

Metallpartikel aus Bremsabrieb sind möglicherweise ebenso gesundheitsschädlich wie Dieselabgase. Ihr Einfluss wurde bisher unterschätzt oder gar nicht erst untersucht. Dabei entsteht etwa ein Fünftel der im Straßenverkehr gemessenen Feinstaubbelastung beim Bremsen – und nur 7 % stammen aus dem Auspuff.

Eine Studie hat nun ergeben, dass die in Bremsbelägen reichlich vorhandenen Metallpartikel Entzündungen triggern und das Immunsystem schwächen können. Diese Ergebnisse sprechen dafür, dass der Bremsstaub auch die Anfälligkeit für Atemwegsinfekte erhöht, schreiben Dr. Liza Selley von der Universität Cambridge und Kollegen. Für ihre Analyse nutzten sie Staubproben aus einer Fima, die Bremsbeläge testet. Den Einfluss auf das Immunsystem erfassten sie anhand von Makrophagen.

Vanadium verpasst den Zellen eine Abreibung

Diese Zellen wurden entweder Dieselabgasen oder Bremsabrieb ausgesetzt. Beide Noxen reduzierten die Fähigkeit, Staphylococcus aureus, einen häufigen Erreger von Lungenentzündungen, zu phagozytieren. Durch die Zugabe von Chelatoren, die Metallionen binden, ließ sich der Effekt verhindern. Partikel aus beiden Feinstaubquellen sorgten auch dafür, dass Makrophagen proinflammatorische Signalmoleküle produzierten. Ausgelöst werden diese Wirkungen wahrscheinlich durch Vanadium.

Quelle: Selley L et al. Metallomics 2020; DOI: 10.1039/c9mt00253g