Brustkrebs: Die Suche nach geeigneten Biomarkern für HER2

Autor: Friederike Klein

Die Aufnahmelevel von 18F-FDG im PET-CT eignen sich als Marker bislang nur in Studien. Die Aufnahmelevel von 18F-FDG im PET-CT eignen sich als Marker bislang nur in Studien. © iStock/gerenme

Frauen mit HER2+ Mammakarzinom im Stadium II–III sollten eine neoadjuvante Therapie erhalten. Hinsichtlich des pathologischen Komplettansprechens ist Trastuzumab Emtansin dem Standard nicht unterlegen. Neue Biomarker wie TIL und 18F-FDG bessern möglicherweise die Vorhersage der Ansprechrate.

Ein ähnlich gutes pathologisches Komplettansprechen (pCR) – das ergab die REDIX-HER2-Studie bei Patientinnen mit HER2+ Mammakarzinom nach einer neoadjuvanten Therapie für Trastuzumab Emtansin im Vergleich zur Standardtherapie mit Docetaxel, Trastuzumab und Pertuzumab.1 Wie Professor Dr. Thomas Hatschek vom Karolinska Universitätshospital in Stockholm berichtete, fiel die Rate für HR- höher aus als für HR+.2 Bei Ersterem erreichte sie in der Kontrolle 63,6 %, im experimentellen Arm 59,0 %.

Ab 10 % TIL scheint pCR relevant zu steigen

Gute Anhaltspunkte für die Wahrscheinlichkeit eines pCR nach neoadjuvanter Therapie könnten zukünftig die tumorinfiltrierenden Lymphozyten (TIL) und eine hohe Aufnahme von [18F]-2-Fluor-2-desoxy-D-glucose (18F-FDG) in der PET-CT* bieten. Wie Prof. Hatschek erklärte, korrelierten ≥ 10 % TIL in der Basisuntersuchung mit einem signifikant höheren pCR-Anteil im Vergleich zu Werten < 10 % (52,2 % vs. 30,4 %). Patientinnen, die nach zwei Behandlungszyklen einen frühen Abfall der 18F-FDG-Aufnahme im PET-CT von mehr als 75 % zeigten, erreichten zu 70,3 % ein pCR, die übrigen nur zu 22,5 %.

Irreführende Bildgebung

Bei neoadjuvanter endokriner Therapie des ER+ HER2- Mammakarzinoms unterschätzt die MRT und die Sonographie vor der Operation die tatsächliche pathologische Tumorgröße, berichtete Dr. Joanna I. Lopez Velazco von der Universitätsklinik in San Sebastian. Das ergab eine retrospektive Auswertung von Bildgebung und Resektaten von 102 Patientinnen, die über vier Monate neoadjuvant einen Aromatasehemmer erhalten hatten. Am besten schnitt noch die MRT während der Diagnosestellung ab, die Untersuchung vor der OP lieferte ungenauere Ergebnisse. Die Suche nach Biomarkern für das Tumoransprechen von Frauen nach neoadjuvanter endokriner Therapie geht weiter.

Lopez Velazco JI et al. ESMO Breast Cancer Virtual Meeting 2020; Abstract 110P

Erste Ergebnisse lassen auf ähnliches PFS schließen

Beide Biomarker sind laut Professor Dr. Valentina Guarneri von der Universität Padua Erfolg versprechend. Das PET-CT sei aber noch nicht reif für die Routine, erklärte sie in der Diskussion der Studie. Die Analyse und Dokumentation der TIL werde dagegen bereits in vielen Leitlinien empfohlen.

Prof. Hatschek stellte auch erste Ergebnisse zum ereignisfreien Überleben vor. Nach median 28,5 Monaten Beobachtungszeit fand sich bislang kein Unterschied in den Armen Trastuzumab Emtansin vs. Docetaxel, Trastuzumab und Pertuzumab. Allerdings war die Zahl der Ereignisse auch noch sehr gering.

* Positronen-Emissions-Tomographie-Computertomographie

Quellen:
1. Bergh JCS et al. J Clin Oncol 2019; 37; DOI: 10.1200/JCO.2019.37.15_suppl.501
2. Hatschek T et al. ESMO Breast Cancer Virtual Meeting 2020; Abstract 97O