Checkpoint-Inhibition: Frauen profitieren weniger als Männer

Autor: Josef Gulden

Bei den Frauen fiel der Vorteil der Checkpoint-Inhibition geringer aus. © Pixabay

Ein Geschlechtsdimorphismus bei Reaktionen des Immunsystems ist bekannt. Ob dieser auch bei der Wirksamkeit von Immuncheckpoint-Inhibitoren existiert, ist noch unklar. Onkologen und Statistiker gingen dieser Frage auf den Grund.

In einer Metaanalyse werteten die italienischen und US-amerikanischen Forscher Daten aus 20 randomisierten Studien aus. Insgesamt hatten 11 351 Patienten, überwiegend mit Melanom und nicht-kleinzelligem Lungenkarzinom, einen Checkpoint-Inhibitor (Ipilimumab, Tremelimumab, Nivolumab oder Pembrolizumab) oder eine entsprechende Kontrolltherapie erhalten. 67 % der Patienten waren männlich, 33 % weiblich.

Über alle Studien gemittelt war das Sterberisiko bei den Männern signifikant reduziert, wenn sie mit Checkpoint-Inhibitoren behandelt wurden (Hazard Ratio 0,72; 95%-Konfidenzintervall 0,65–0,79). Bei den Frauen fiel der Vorteil geringer aus (HR 0,86; 95%-KI 0,79–0,93). Mithilfe eines Interaktions-Tests konnte nachgewiesen werden, dass der Geschlechterunterschied signifikant war (p = 0,0019).

Warum der Nutzen einer Therapie mit Checkpoint-Inhibitoren bei Frauen geringer ausfällt, bleibt weiterhin unklar. Womöglich müsse man sich für sie alternative Immuntherapie-Strategien ausdenken. Auf jeden Fall, so die Autoren, sollte man bei der Planung künftiger Studien mit Checkpoint-Inhibitoren auf eine ausreichende Repräsentanz von weiblichen Patienten achten, um falsche Schlussfolgerungen aus überwiegend mit Männern erzielten Ergebnissen zu vermeiden.

Quelle: Conforti F et al. Lancet Oncol 2018; 19: 737-746