Chronisch spontane Urtikaria kann von zahlreichen Komorbiditäten begleitet werden

Autor: Maria Weiß

Bei jedem Dritten mit chronisch spontaner Urtikaria leidet auch die Psyche. Bei jedem Dritten mit chronisch spontaner Urtikaria leidet auch die Psyche. © iStock/chokja

Die chronisch spontane Urtikaria ist nicht nur gerne mit allergischen Erkrankungen unterwegs. Auch auf andere Komorbiditäten und begleitende akute Infektionen muss geachtet werden.

Als potenzielle Begleiter einer chronisch spontanen Urtikaria (CSU) kommen auch Autoimmun­erkrankungen, Magen-Darm-Infektionen und psychische Komorbiditäten infrage, erklärte Dr. Nicola Wagner von der Hautklinik des Universitätsklinikums Erlangen.

In einer großen koreanischen Querschnittsstudie waren mit der Urtikaria zahlreiche Autoimmun­erkrankungen wie Thyreoitiden, Sjögren-Syndrom, systemischer Lupus Erythematodes, Vitiligo und Typ-1-Diabetes assoziiert – ebenso wie Darmerkrankungen (inkl. Morbus Crohn und Colitis ulcerosa) und Medikamentenallergien.

Unter den Viren spielt nur Herpes eine Rolle

Divergierende Studien gibt es zur Besiedlung mit Helicobacter pylori. Urtikaria-Fälle häufen sich insbesondere bei Gastritis und Erosionen. Heilen diese ab, bessert sich auch die Urtikaria – unabhängig vom H.-pylori-Status. Somit scheint vor allem eine entzündete Schleimhaut die Quaddeln zu triggern.

Erhöht ist die CSU-Rate ebenfalls nach Yersinieninfektionen, was wohl primär an der dadurch gesteigerten Permeabilität in Magen und Duodenum liegt. Dieser Zustand kann über ein Jahr andauern. Ein viraler Befall scheint dagegen keinen Effekt zu haben – mit Ausnahme von Herpesinfektionen im Kindesalter.

Thyreoidektomie bessert auch die Urtikaria

Die Hautreaktion könnte außerdem auf einen parasitären Untermieter hinweisen. Als Mechanismus wird die bei Parasiten beobachtete Erhöhung von IL-25 und IL-33 diskutiert, die zur Mastzellaktivierung beitragen könnte. Allerdings sind weniger als 10 % der CSU-Fälle parasitenassoziiert, und nur bei einem Drittel der Betroffenen führt die antiparasitäre Therapie auch zur Linderung der Urtikaria-Symptome. Ein Routinescreening auf Parasiten wird daher nicht empfohlen. Bei entsprechender Anamnese (kürzliche Einreise aus tropischen Gebieten) oder Eosinophilie könnte sich die Suche jedoch lohnen, sagte Dr. Wagner.

Man findet bei CSU-Patienten eine deutlich erhöhte Inzidenz von Schilddrüsen-Antikörpern und ein gehäuftes Auftreten von M. Basedow und Hashimoto-Thyreoiditis. Mit einer spezifischen Therapie wie der Thyreoidektomie bessert sich in solchen Fällen auch die Urtikaria. Hintergrund scheint hier keine direkte Mastzelldegranulation zu sein, sondern eine erhöhte Empfänglichkeit für Aktivierungssignale.

Was man bisher kaum auf dem Schirm hatte: CSU-Patienten – insbesondere adipöse jüngere Männer – scheinen ein deutlich erhöhtes Osteo­porose-Risiko zu haben. Diskutiert wird, ob möglicherweise knochenwirksame Zytokine aus der Mastzelle am Werk sind.

Entzündliche Zytokine könnten auch den Zusammenhang von chronisch spontaner Urtikaria mit Übergewicht (Adipositas), Hyperlipid­ämie und Hypertonie bzw.  – in ihrer Gesamtheit – dem metabolischen Syndrom erklären. Zusätzlicher Faktor ist das erniedrigte Apdiponectin, das an der Regulation der Makrophagen-Differenzierung beteiligt ist.

Nicht unterschätzen sollte man, dass CSU und Psyche zusammenhängen, betonte die Referentin. Etwa ein Drittel der Betroffenen hat eine psychiatrische Komorbidität, im Vergleich zu etwa 5,6 % in der Allgemeinbevölkerung. Führend sind hier Störungen des Schlaf-Wach-Rhythmus, Angststörungen und Stimmungsschwankungen.

Kongressbericht: 14. Deutscher Allergiekongress