Chronische Pankreatitis macht anfällig für Diabetes und Tumorerkrankungen

Autor: Maria Weiß

Wird die Entzündung der Bauchspeicheldrüse chronisch, steigt auch das Risiko für Pankreasmalig­nome. © fotolia/lom123

Bei einer chronisch entzündeten Bauch­speicheldrüse ist es mit der Schmerztherapie und Enzym­substitution nicht getan. Sie sollten stets auch das Diabetes- und Krebsrisiko des Patienten im Blick haben.

Tatsächlich liegt bei 60 % der Männer mit Pankreatitis ein dauerhafter Alkoholmissbrauch zugrunde. Unter den Frauen sind es nur 28 %. Bei ihnen finden sich viel häufiger idiopathische Formen. Auch das Rauchen gilt heute als wichtiger unabhängiger Risikofaktor für die chronische Pankreatitis, schreibt ein Autorenteam um Professor Dr. Anand Gupte von der Universität Florida in Gainesville.

Verzicht auf Rauchen und Alkohol kann Schmerz lindern

Außerdem kennt man inzwischen zahlreiche genetische Mutationen und Polymorphismen, die das Risiko für die Bauchspeicheldrüsenentzündung und ein sekundäres Karzinom erhöhen. Auch Obstruktionen der Pankreasgänge, vorangegangene akute Pankreatiden sowie Adipositas und ein langjähriger Diabetes treiben das Risiko nach oben.

In frühen Stadien der Erkrankung stellen sich die Patienten oft mit Episoden einer akuten Pankreatitis oder mit dem typischen „Pankreasschmerz“ vor, der vom Epigastrium in den Rücken ausstrahlt. Eine exogene Insuffizienz mit Steatorrhö und die eingeschränkte endokrine Leistungsfähigkeit des Organs treten dagegen meist erst nach Jahren oder Jahrzehnten auf.

Die chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung ist nicht heilbar und die meisten Patienten leiden dauerhaft unter Symptomen wie Bauchschmerzen und Steatorrhö. Allen Patienten sollte man dringend den Verzicht auf Alkohol und Zigaretten anraten, da dies die Progression bremsen kann, das Risiko für ein Pankreaskarzinom reduziert und in manchen Fällen auch die Schmerzen lindert.

Fettarme Diät ist eher kontraproduktiv

Die anhaltenden oder rezidivierenden Schmerzen sind oft schwer in den Griff zu kriegen und stellen meist das größte Problem für die Patienten dar. Im Prinzip können alle Analgetika des WHO-Stufenschemas eingesetzt werden, was aber oft nicht ausreicht. Zusätzlich finden oft selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer, Trizyklika oder GABA-Analoga Anwendung, wobei es bei diesen nur für Pregabalin eine entsprechende Studie gibt. Eine fettarme Diät ist eher kontraproduktiv, da auf jeden Fall eine adäquate Nährstoffversorgung sichergestellt werden muss, um Muskelschwund und Vitaminmangel entgegenzuwirken. 10 bis 15 Jahre nach der Diagnose entwickeln die meisten Patienten eine Pankreasenzym-Insuffizienz, die zu Maldigestion von Kohlenhydraten, Proteinen und Fetten führt.

Auch ein Mangel an fettlöslichen Vitaminen stellt ein häufiges Pro­blem dar. Eine Enzymsubstitution zu jeder Mahlzeit sollte daher rechtzeitig und in ausreichender Dosierung begonnen werden. Meist benötigen Erwachsene etwa 40 000 bis 50 000 USP*-Einheiten Lipase pro Mahlzeit, es können aber auch deutlich mehr sein. Außerdem sollten routinemäßig Vitamin D und Calcium zur Osteoporoseprophylaxe sub­stituiert werden.

Bildgebende Diagnostik

  • Einen einfachen Test zum Nachweis der chronischen Pankreatitis gibt es nicht. Zusätzlich zur typischen Klinik können bildgebende Verfahren und Funktionstests herangezogen werden.
  • An erster Stelle werden meist Computertomographie und Ultraschall zum Nachweis von Kalzifikationen und erweiterten Gängen empfohlen.
  • Zunehmend entwickelt sich aber die Magnetresonanztomographie zur Methode der Wahl.
  • Im Rahmen einer sekretinverstärkten Magnetresonanz-Chol­angiopankreatikographie hat man zudem die Möglichkeit, das Gangsystem besser darzustellen, was eine frühe Diagnose erleichtert.

Jedes Jahr zum Diabetestest

In einigen Fällen entwickelt sich auch ein sekundärer Diabetes, der meist insulinpflichtig und besonders schwer einzustellen ist. Ein Screening auf Diabetes sollte bei chronischer Bauchspeicheldrüsenentzündung jährlich erfolgen. Auch das deutlich erhöhte Risiko für Pankreasmalig­nome darf nicht aus dem Auge verloren werden. Sobald Patienten über eine veränderte Symptomatik berichten – beispielsweise über Gewichtsverlust, verstärkte Schmerzen oder Funktionsstörungen – sollte mittels Tumormarker (CA19-9), Computertomographie oder endoskopischem Ultraschall nach einem Karzinom gefahndet werden.

*United States Pharmacopeia

Quelle: Gupte A et al. BMJ 2018; 361: k2126