Die Zahnbürste fürs Gehirn: Antikörper entfernt Amyloid-Plaques

Autor: Elisa Sophia Breuer

Auch im Gehirn lagert Plaques, der Amyloid-Plaques. Und diese Ablagerungen können dank Antikörper abgetragen werden. © fotolia/mrivserg

Zum ersten Mal senkt ein Antikörper nicht nur die Amyloidlast im Gehirn von Alzheimerkranken, sondern beeinflusst auch die Kognition.

Manche Menschen haben sogar im Alter von 100 Jahren keinen Alzheimer. Vermutlich schützt sie ihr Immunsystem vor Amyloidablagerungen. Auf der Basis dieser Hypothese haben Wissenschaftler aus dem Blut gesunder Betagter Aducanumab isoliert. Bereits im Mausmodell konnte der Antikörper selektiv an aggregiertes Amyloid β im Gehirn binden und es reduzieren.

In einer Phase-Ib-Studie erhielten 165 an prodromalem oder leichtem Alzheimer Erkrankte ein Jahr lang alle vier Wochen i.v. eine fixe Gabe von 1, 3, 6 bzw. 10 mg/kg Aducanumab oder eine Auftitration bis zur Hochdosis oder Placebo. Die Werte im CDR-SB* und MMSE** nahmen unter dem Verum nur leicht ab. Zwischen Woche 26 und 54 wurde die kognitive Verschlechterung abhängig von der Antikörpermenge sogar gestoppt. Darüber hinaus reduzierte sich die Plaquelast signifikant.

Nach zwei Jahren so wenige Ablagerungen wie Gesunde

Die Zweijahresdaten der laufenden Extensionsstudie (n=143) bestätigen die Daten. „Unter der Fixdosis von 10 mg/kg senkte sich die Plaquelast so stark, dass es Normalbefunden entsprach,“ betonte Professor Dr. Jörg­ B. Schulz­ von der Klinik für Neurologie am Universitätsklinikum Aachen. Ergebnisse der beiden Phase-III-Studien werden ab 2020 erwartet.

*Clinical Dementia Rating – Sum of Boxes
**Mini Mental State Examination