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Corona: CED-Patienten häufiger mit Infektion im Krankenhaus

Autor: Dr. Barbara Kreutzkamp

Sind die Ärzte vielleicht einfach nur vorsichtig? Auf schwerere COVID-19-Verläufe gibt es keine Hinweise. (Agenturfoto) Sind die Ärzte vielleicht einfach nur vorsichtig? Auf schwerere COVID-19-Verläufe gibt es keine Hinweise. (Agenturfoto) © iStock/Xesai
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COVID-19-Kranke mit chronisch-entzündlicher Darmerkrankung werden häufiger in die Klinik eingewiesen als Infizierte mit gesundem Darm.

Patienten mit einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung (CED) werden zwar öfter wegen einer SARS-CoV-2-Infektion ins Krankenhaus geschickt. Ihr Risiko für schwere Infektionen scheint im Vergleich zu Darmgesunden aber nicht erhöht. Das zeigt eine bevölkerungsbasiert durchgeführte Kohortenstudie aus Schweden.

Weit mehr als 67.000 Darmkranke untersucht

Pluspunkt der Untersuchung ist die sehr große Studienpopulation aus 67.292 Teilnehmern mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen, schreiben die Wissenschaftler. Dadurch lassen sich verlässliche Angaben zu Subpopulationen machen, etwa Personengruppen, bei denen mit schweren Verläufen zu rechnen ist. Nachteilig sind fehlende Angaben zur Medikation der Colitis-­ulcerosa- und Crohn-Patienten und zur Schwere der Darmerkrankung.

Den CED-Patienten (21.599 mit Morbus Crohn, 43.622 mit Colitis ulcercosa, 2017 mit nicht-klassifizierter chronisch-entzündlicher Darm­krankheit) hatten die Wissenschaftler je bis zu fünf passende Kontrollen aus der Allgemeinbevölkerung gegenübergestellt und die Raten von COVID-19-bedingten Krankenhausbehandlungen im Zeitraum vom 1. Februar bis zum 31. Juli 2020 verglichen.

Demnach waren 0,27 % der chronisch Darmkranken und 0,17 % der Allgemeinbevölkerung wegen einer SARS-CoV-2-Infektion stationär behandelt worden, was einer adjustierten Hazard Ratio (aHR) von 1,43 entspricht. Die Raten für ­Morbus Crohn und Colitis ulcerosa waren miteinander vergleichbar, Hinweise auf vermehrt schwere Infektionsverläufe fanden sich nicht.

Pathophysiologisch erscheint es durchaus plausibel, dass SARS-CoV-2 bei Menschen mit Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn tatsächlich leichteres Spiel hat, schreiben die Studienautoren. Vielleicht werden sie auch öfter getestet. Aber möglicherweise wollten die Ärzte bei ihnen mit einer vergleichsweise frühzeitigen Klinikeinweisung einfach nur auf Nummer sicher gehen.

Quelle: Ludvigsson JF et al. United European Gastroenterol J 2021; DOI: 10.1002/ueg2.12049

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