Anzeige
Anzeige

Coronavirus kann Kawasaki-ähnliches Syndrom hervorrufen

Autor: Dr. Daniela Erhard

Corona bei Kindern zeigt sich immer stärker als eigenständiges Krankheitsbild mit unterschiedlichen Symptomen. Corona bei Kindern zeigt sich immer stärker als eigenständiges Krankheitsbild mit unterschiedlichen Symptomen. © visivasnc – stock.adobe.com
Anzeige

Mittlerweile mehren sich Berichte über schwere Symptome bei an COVID-19 erkrankten Kindern. So langsam kristallisiert sich heraus, dass es sich dabei um ein eigenständiges Krankheitsbild handelt.

Seit April dieses Jahres ist bekannt, dass manche Kinder und Jugendliche etwa zwei bis vier Wochen nach einer Infektion mit SARS-CoV-2 Symptome entwickeln, die dem Kawasaki- oder dem toxischen Schock-Syndrom ähneln. Doch genauer betrachtet, unterscheidet sich das „Multisystem Inflammatory Syndrome in Children“ (MIS-C) oder „­Paediatric Inflammatory Multisystem Syndrome“ (PIMS) genannte Phänomen von diesen bereits bekannten Entitäten und stellt ein eigenständiges Krankheitsbild dar. Darauf weisen aktuelle Studien, darunter eine Auswertung vom New York State Department of Health1, hin.

Die Autoren um Dr. ­Elizabeth M. Dufort­ hatten die Behandlungsdaten von 99 der ursprünglich 191 potenziellen MIS-C-Patienten analysiert, die vom 1. März bis zum 10. Mai 2020 auf Anweisung an die New Yorker Behörde gemeldet worden waren. Bei 95 der Kinder und Jugendlichen bestätigten die Autoren die Diagnose, vier weitere Patienten stuften sie als Verdachtsfall ein.

Betroffen waren vor allem Kinder bis zwölf Jahre. Auf die unter Sechsjährigen entfielen 31 % der Erkrankungen, auf die Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren 42 %. Der Anteil der 13- bis 20-Jährigen betrug 26 %. Ähnlich wie bei den Coronavirusinfektionen selbst befanden sich unter den MIS-C-Patienten mehr Schwarze und Hispanics, als vom Bevölkerungsschnitt zu erwarten gewesen wäre.

Symptome teilweise vom Alter abhängig

Alle Patienten litten bei Klinikaufnahme an Fieber oder Schüttelfrost. Typisch waren auch Tachykardie und Tachypnoe sowie bei etwa einem Drittel zu niedriger Blutdruck. Unter den körperlichen Symptomen dominierten gastrointestinale Beschwerden, die oft von Hautausschlägen und Bindehautentzündungen begleitet wurden. Die unteren Atemwege waren in 40 % der Fälle betroffen. Weitergehende Untersuchungen offenbarten bei vielen Patienten ventrikuläre Dysfunktionen, Perikard­ergüsse und bei jedem Elften auch ein Koronaraneurysma. In mehr als drei Viertel der Fälle lagen Organvergrößerungen, Aszites, Darmentzündungen oder andere abdominelle Auffälligkeiten vor. Die Erkrankung ging zudem regelmäßig mit Lymphopenie und erhöhten Werten für C-reaktives Protein, proBNP, Troponin und D-Dimere einher.

Welche Symptome vorherrschten, hing zum Teil vom Alter ab. Während sich eine Myokarditis vor allem bei Jugendlichen manifestierte, waren Haut und Schleimhäute besonders bei den jüngsten Kindern involviert. Bei ihnen wurde mit 48 % auch am häufigsten ein (atypisches) Kawasaki-Syndrom diagnostiziert. Bei den älteren Kindern bis zwölf Jahre waren es rund 43 %, bei den Jugendlichen nur noch 12 %. Gegenüber dem „normalen“ Kawasaki-Syndrom waren die Patienten mit MIS-C älter, hatten öfter eine Hypotonie und mussten vermehrt auf die Intensivstation.

Noch Forschungsarbeit nötig

Insgesamt seien nun etwa 1000 Fälle beschrieben, die – so Professor Dr. Michael­ Levin­ vom Imperial College London in einem begleitenden Editorial2 ein klares Bild von MIS-C vermitteln. Offen sei aber zum Beispiel noch die richtige Therapie. Momentan behandele man oft wie beim Kawasaki-Syndrom. Hierzu sei noch Forschungsarbeit nötig – genauso wie zum Pathomechanismus. Einiges deute auf eine fehlgeleitete Immunantwort hin. Falls sich das bestätigen sollte, könnte diese Erkenntnis z.B. auch die weitere Impfstoffentwicklung beeinflussen, schreibt Prof. Levin.

Quellen:
1. Dufort EM et al. N Engl J Med 2020; DOI: 10.1056/NEJMoa2021756
2. Levin M. A.a.O.; DOI: 10.1056/NEJMe2023158


Anzeige