CT-Navigation bei Wirbelsäulen-OP ist auch was für Experten

Autor: Dr. Susanne Gallus

Im Video können Sie mitverfolgen, wie die CT-navigierte OP der Halswirbelsäule bei einer Spinalkanalstenose abläuft. © St. Josefs-Hospital Wiesbaden, Professor Dr. med. Marcus Richter

Die CT-Navigation erobert langsam die OP-Säle und macht sie sicherer. Dennoch nutzen Ärzte das Hilfsmittel derzeit nur bei etwa 20 % der Wirbelsäulen-Eingriffe.

CT-gestützte Navigationssysteme erkennen z.B. über optische Sensoren sowohl die Lage des Patienten auf dem OP-Tisch als auch die Position von Geräten. In Echtzeit werden die Daten mit vorher angefertigten CT-Aufnahmen verrechnet und erscheinen dann auf dem Monitor. Klingt eigentlich sehr hilfreich – dennoch hatte das OP-Navi lange Zeit ein Imageproblem.

CT-Navi reduziert Rate der Implantat-Fehlplatzierungen

„So was brauchen doch nur ungeschickte Operateure, ich kann das auch ohne Navigation“ – laut Professor Dr. Marcus Richter, Präsident der Deutschen Wirbelsäulengesellschaft, ist das eine typische Reaktion, wenn es um die Anwendung bei Wirbelsäulenoperationen geht. Dabei ist zum Beispiel bei Eingriffen an der Halswirbelsäule höchste Präzision gefragt: Wirbel, Nerven und die Areteria carotis interna teilen sich nur wenig Platz.

Der Chefarzt des neuen Wirbelsäulenzentrums im St. Josefs-Hospital in Wiesbaden nutzt die CT-Systeme, die eine genaue Orientierung entlang der Wirbel ermöglichen, nach eigenen Angaben schon seit einigen Jahren – und zwar mit Erfolg: „Das System verbessert die Präzision und damit die Sicherheit der Patienten“. Seine Erfahrung habe ihm gezeigt, dass kein Chirurg von sich behaupten könne, komplikationslos zu operieren. Studien zufolge ließ sich durch das System die Rate der Implantat-Fehlplatzierungen von 12 auf 6 % senken.

„Ich will keinesfalls sagen, dass man es benutzen muss“, betont Prof. Richter, „aber zumindest ich bin dadurch besser geworden. Es macht aus einem guten Chirurgen einen besseren.“ Einen guten Arzt ersetze das System allerdings nicht. Denn der muss die virtuelle und die chirurgische Realität während des Eingriffs ständig miteinander vergleichen und voneinander unterscheiden können.

Dies geschieht über spezielle Referenzpunkte an allen Geräten und eine dynamische Referenzbasis am Patienten, die das System live erkennt. Die genauen Positionen der Wirbel werden vom Chirurgen während der OP abgefahren und mit den vorher angefertigten CT-Aufnahmen verrechnet. So können sogar Atembewegungen ausgeglichen werden. All das erfordert aber auch Erfahrung und diese gewinne man nur durch den regelmäßigen Einsatz, weiß der Experte.

CT-navigierte OP der Halswirbelsäule

© St. Josefs-Hospital Wiesbaden, Professor Dr. med. Marcus Richter

Ab einer Million Euro zu erwerben

Der größte Nachteil des CT-Navis ist der Kostenfaktor: Das System ist vergleichsweise teuer. In der Basisausstattung kostet es derzeit noch etwas über 1 Million Euro, berichtet Prof. Richter. Will man noch einen Schritt weiter gehen und ein steriles CT-Navigationssystem für den OP anschaffen, ist sogar mit noch höheren Kosten zu rechnen. Diese können sich aber durchaus lohnen, denn über das Gerät kann die Lage der Implantate überprüft werden, noch bevor der Patient wieder zugemacht wird. Auf Röntgenaufnahmen kann somit oft verzichtet werden. Das spart nicht nur Zeit und Aufwand, sondern reduziert auch die Strahlenbelastung für das OP-Team – und zwar um bis zu 90 %.

Quelle: 13. Deutscher Wirbelsäulenkongress