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Adipositas Darmmikrobiom als Ansatzpunkt für die Therapie?

Autor: Dr. Judith Lorenz

Möglicherweise kann man mittels Nahrung, die mit Präbiotika und B-Vitaminen angereichert ist, einer Verschlechterung der Stoffwechsellage entgegenwirken. Möglicherweise kann man mittels Nahrung, die mit Präbiotika und B-Vitaminen angereichert ist, einer Verschlechterung der Stoffwechsellage entgegenwirken. © iStock/peakSTOCK
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Bei adipösen Menschen sind die Darmflora und damit der Biotinstoffwechsel gestört. Abhilfe schaffen könnte eine spezielle Ernährungsweise, die neben Biotin auch Präbiotika enthält.

Die Darmbakterien leisten einen entscheidenden Beitrag zur Stoffwechselgesundheit, unter anderem indem sie Biotin produzieren und für dessen Aufnahme aus dem Darm sorgen. Das Vitamin aus dem B-Komplex fungiert als Kofaktor für verschiedene Carboxylasen. Diesen Enzymen wiederum kommt eine Schlüsselrolle bei zahlreichen Stoffwechselprozessen wie dem Kohlenhydrat- und dem Lipidmetabolismus zu, erläutert eine Gruppe um Dr. Eugeni Belda von der Pariser Sorbonne. Die Forscher haben herausgefunden, dass bei ausgeprägter Adipositas und schwerem Diabetes die Fähigkeit der Darmflora zu Biotinsynthese und -transport rapide abnimmt.

Die Wissenschaftler hatten eine Metagenomanalyse der Darmflora von 1.545 Personen durchgeführt. Unter anderem konnten sie dabei einen Zusammenhang zwischen dem veränderten Biotinhaushalt bei schwerer Adipositas und dem metabolischen sowie dem inflammatorischen Phänotyp der Stoffwechselstörung nachweisen. Stark übergewichtige Menschen hatten demzufolge auch einen niedrigen Serumbiotinspiegel.

Inwiefern die Ernährungsweise den bakteriellen Biotinstoffwechsel beeinflusst, untersuchten Dr. Belda und Kollegen anschließend im Tiermodell. Sie fanden heraus, dass fettreiches Futter bei Mäusen die biotinproduzierenden Darmbakterien reduzierte und die Biotinspiegel senkte. Nach einem bariatrischen Eingriff normalisierte sich die Darmflora der fettgefütterten Nager. Die Zahl der Biotinproduzenten im Darm nahm zu, der Biotinhaushalt besserte sich.

In einem weiteren Experiment zeigten die Forscher, dass man die Darmflora durch die Nahrung gezielt verändern kann: Stark adipöse Versuchstiere, die mit Präbiotika und Biotin gefüttert wurden, entwickelten eine größere Bakterienvielfalt sowie eine verstärkte Biotin- und B-Vitamin-Produktion als ihre Artgenossen, die normales Futter bekommen hatten. Die Tiere legten außerdem weniger deutlich an Gewicht zu und ihr Blutzuckerhaushalt stabilisierte sich.

Möglicherweise, so die Hoffnung der Wissenschaftler, kann man auch bei fettleibigen Menschen mittels Nahrung, die mit Präbiotika und B-Vitaminen angereichert ist, einer Verschlechterung der Stoffwechsellage entgegengewirken.

Quelle: Belda E et al. Gut 2022; DOI: 10.1136/gutjnl-2021-325753

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