Demenz auf Knopfdruck erkennen

Autor: Dr. Susanne Gallus

Der neue Computertest ist zwar noch kein Standard, aber auf jeden Fall eine nützliche Ergänzung. © fotolia/LIGHTFIELD STUDIOS

Den Patienten zur Demenzdiagnostik einfach an einen Laptop setzen, statt mit ihm den Mini-Mental-Status-Test durchzugehen? Das könnte mit einem neuen Reaktionstest funktionieren, der auch milde Beeinträchtigung zuverlässig zu erfassen scheint.

Zehn Minuten dauert der Test, erfordert keinerlei Vorkenntnisse und wird nicht von individuellen Faktoren wie z.B. IQ, Sprache oder Bildungsstand verfälscht: So beschreiben Dr. Micah M. Murray vom Labor für Investigative Neurophysiologie des Universitätsklinikums Lausanne und sein Team das Programm, das leichte geistige Beeinträchtigungen am Laptop erkennen soll.

Die Idee basiert auf der Theorie, dass kognitive Leistungen mit der visuellen und akustischen Reizverarbeitung zusammenhängen. 100 Personen haben das Konzept getestet, darunter junge Erwachsene, ältere geistig Gesunde und Ältere mit einer milden geistigen Einschränkung. Der mentale Zustand wurde initial klinisch über eine neuropsychologische Testbatterie beurteilt, inklusive des Mini-Mental-Status-Tests und eines verbalen Lerntests (Hopkins Verbal Learning Test, HVLT).

Um die (multi)sensorischen Leistungen zu messen, setzte man die Teilnehmer vor einen Laptop mit der Aufgabe, auf eine Taste zu drücken, sobald ein schwarzer Kreis auf dem Bildschirm erscheint oder aus den Lautsprechern ein Ton mit 1000 Hz kommt. Die 0,1 s kurzen Stimuli kamen einzeln oder gleichzeitig. So ließ sich feststellen, auf welchen Reiz die Person schneller reagierte bzw. wie stark sich die Reaktion durch ein kombiniertes Signal verbesserte.

Trefferquote jedoch niedriger als im verbalen Lerntest

Über das relative Verhältnis der Reaktionszeiten konnten die Forscher die kognitiv Beeinträchtigten von den anderen Gruppen unterscheiden. Statistisch war die Trefferquote niedriger als die der HVLT-Beurteilung. „Unser Test ist zwar noch kein Ersatz für die klinischen Standardverfahren“, wird eine Koautorin in einer Pressemitteilung der City University London zitiert, „er könnte aber eine nützliche Ergänzung sein.“

Quelle: Murray MM et al. Sci Rep 2018; 8: 890