Demenz, Depression und Schizophrenie über das Essen lindern

Autor: Dr. Angelika Bischoff

Eine gut durchdachte Ernährung schmeckt auch dem Gehirn. © fotolia/Tijana

Bei neurologisch-psych­iatrischen Leiden ist der Stoffwechsel der Hirnzellen gestört. Eine angepasste Ernährung kann hier vieles zurechtrücken: zum Beispiel über sekundäre Pflanzenstoffe, Omega-3-Fettsäuren oder eine ketogene Diät.

Zwischen Ernährung und neurologisch-psychiatrischen Erkrankungen gibt es klare Zusammenhänge, wie Professor Dr. Jörg Spitz, Akademie für menschliche Medizin in Schlangenbad, ausführte. Beispielsweise verzehren nur 11 % der Deutschen Obst und Gemüse entsprechend der DGE-Empfehlung (mindestens fünf Portionen täglich). Dadurch fehlen dem Körper wichtige sekundäre Pflanzenstoffe – auch im Gehirn. Diese Stoffe wirken nicht nur antioxidativ, sondern haben epigenetische Einflüsse auf den Zellstoffwechsel. Ein Mangel ist mit zahlreichen Erkrankungen assoziiert, darunter auch Demenz.

Auch Fette sind nicht nur bedeutende Energielieferanten, sondern wichtiger Bestandteil von Zellmembranen, Botenstoffen und Schutzhüllen für Nervenzellen. Doch Fett ist nicht gleich Fett. Wichtig ist die ausreichende Zufuhr von Omega-3-Fettsäuren. Protectine und Maresine aus diesen Fettsäuren haben antientzündliche Effekte. Doch die in den letzten 40–50 Jahren verstärkt­ produzierten billigen Pflanzenöle enthalten keine/kaum Omega-3- sondern hauptsächlich Omega-6-Fette. Dadurch werden zu viele Omega-6-Fettsäuren konsumiert, die in zu hohem Maße dem Körper schaden, weil sie den Omega-3-Stoffwechsel blockieren.

Ketogene Diät hilft bei epileptischer Enzephalopathie

Der Mangel an Omega-3-Fettsäuren hat eine klare Beziehung zur Demenzentwicklung gezeigt – genauso wie ein Vitamin-D-Defizit. Dies wundert nicht, wenn man weiß, dass Omega-3-Fettsäuren zusammen mit Vitamin D die Synthese und Wirkung von Serotonin an den Synapsen der Nervenzellen kontrollieren. Und auch was Vit­amin D betrifft, befindet sich der überwiegende Teil der Bevölkerung im Defizit.

Mediterran und glutenfrei für die Psyche

Eine zwölfwöchige mediterrane Diät führte bei Patienten mit Depression in 32,3 % der Fälle zur Remission, während dies in der Kontrollgruppe, die nur soziale Unterstützung erhielt, nur in 8 % der Fall war.

In sechs von neun Studien, die in einem Review untersucht wurden, zeigte eine glutenfreie Ernährung bei Patienten mit Schizophrenie deutliche positive Effekte auf die kognitive Funktion und die psychotische Symptomatik.

Durch ernährungsbasierte Behandlungsansätze lassen sich gegen neurologisch-psychiatrische Erkrankungen deutliche Effekte erzielen, wie Prof. Spitz anhand von einigen Beispielen zeigte. So erhielten Kinder mit pharmakoresistenter epileptischer Enzephalopathie in einer prospektiven Studie eine ketogene Ernährung. Die Ernährungstherapie konnte die interiktalen epileptischen Entladungsfrequenzen und die EEG-Untergrundaktivität normalisieren. Kognitive Funktion, Motorik und Sprache besserten sich.

Personen mit minimalen kognitiven Defiziten erhielten in der randomisierten kontrollierten FINGER-Studie eine zweijährige multifaktorielle Intervention mit Ernährungsumstellung, Bewegung, kognitivem Training und Kontrolle vaskulärer Risikofaktoren. Die Studienergebnisse zeigten einen deutlichen Schutzeffekt vor weiterem Gedächtnisverlust, der in der Kontrollgruppe um 31 % höher war. Eine spätere Auswertung ergab, dass die Interventionsgruppe zusätzlich ein deutlich geringeres Risiko für andere chronische Erkrankungen aufwies. Auch die Therapie der Demenz sollte mehr auf solche multifaktoriellen Interventionen setzen, zumal wir in der Vergangenheit das reihenweise Scheitern von spezifischen Antidementiva erlebt haben, schloss Prof. Spitz.

Quelle: DGPPN* Kongress 2018

*Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde