Demenzformen per Blutprobe differenzieren

Autor: Dr. Anja Braunwarth

Das Protein pTau181 stellt sich als guter Marker zur Diagnostik von Alzheimer-Demenzen heraus. Das Protein pTau181 stellt sich als guter Marker zur Diagnostik von Alzheimer-Demenzen heraus. © iStock/Shidlovski

Die Diagnose einer Alzheimer-Demenz gelingt bis jetzt nur mit recht aufwändigen Verfahren. Das könnte sich bald ändern.

Mit einem einfachen Bluttest eine Alzheimer-Demenz erkennen: Diese Vision scheint in greifbarer Nähe. Forscher aus den USA untersuchten dazu Proben von 362 Menschen im Alter zwischen 58 und 70 Jahren1. 56 von ihnen hatten die Dia­gnose Alzheimer, 190 litten an einer frontotemporalen Demenz (FTD), 47 an milden kognitiven Einschränkungen (mild cognitive impairment, MCI) und 69 waren gesund.

PTau181-Spiegel bei Alzheimer etwa 3,5-fach erhöht

Die Kollegen untersuchten im Blut den Marker pTau181. Tatsächlich waren die Werte bei Alzheimerkranken etwa 3,5-fach höher als bei Gesunden. Bei Menschen mit FTD lag er im Normalbereich, bei MCI leicht darüber. Im Verlauf von zwei Jahren zeigte sich, dass hohe Spiegel des Proteins einen rascheren kognitiven Abbau bei Patienten mit Alzheimer und solchen mit MCI vorhersagten. Dagegen lieferte das Amyloid, das die Basis für das PET*-Screening beim Alzheimer darstellt, im Blut weniger zuverlässige Aussagen. In den Proben der FTD-Betroffenen fand sich mehr NfL-Protein (Neurofilament Light Chains). Dieses bleibt normalerweise innerhalb der Neuronen, kann aber ins Blut gelangen, wenn die Nervenzellen Schaden nehmen.

Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass ein solcher pTau181-Test einen M. Alzheimer ähnlich gut aufdecken kann wie die PET und Lumbalpunktionen und es möglich macht, zwischen Alzheimer und einer FTD zu differenzieren – mit wenig Aufwand und Kosten.

Studie anderer Forscher bestätigt den Zusammenhang

Eine Studie unter schwedischer Leitung mit 589 Teilnehmern bestätigte das2. Das pTau181 war bei Menschen in präklinischen Alzheimer-Stadien erhöht und stieg bei MCI und manifester Demenz weiter. Dabei korrelierte es mit dem Wert aus dem Liquor und zeigte sich prädiktiv für ein positives Tau-PET. Die Abgrenzung der Alzheimer-Demenz zu anderen neurodegenerativen Krankheiten gelang damit ebenfalls ähnlich exakt.

*Positronen-Emissions-Tomographie

Quellen:
1. Thijssen EH et al. Nat Med 2020; 26: 387-397; DOI: 10.1038/s41591-020-0762-2
2. Janelidze S et al. Nat Med 2020; 26: 379-386; DOI: 10.1038/s41591-020-0755-1