Diclofenac ist Gift fürs Herz!

Autor: Dr. Judith Lorenz

Das Risiko für schwere Herz-Kreislauf-Komplikationen ist unter Diclofenac deutlich erhöht. © fotolia/Cyb Addison

Wer immer noch an dem guten alten Diclofenac festhält, der sollte spätestens jetzt seine Meinung überdenken. Denn sogar eine niedrige Dosis bringt das Herz mehr in Gefahr als alternative Antiphlogistika.

Obwohl Diclofenac weltweit das am häufigsten verkaufte nicht-steroidale Antirheumatikum (NSAR) darstellt, ist sein kardiovaskuläres Risikopotenzial wenig erforscht, berichtet Dr. Morten Schmidt von der Universität Aarhus. Zusammen mit weiteren Kollegen hat er diese Nebenwirkung untersucht. Hierzu werteten die Wissenschaftler mehr als 1,3 Millionen Diclofenac-Erstverschreibungen der Jahre 1996 bis 2016 aus. Die Vergleichskollektive bildeten 3,9 Millionen Ibuprofen-, 291 000 Naproxen- und 765 000 Paracetamol-Anwender sowie 1,3 Millionen Patienten ohne Antiphlogistika-Verordnung.

Die Diclofenac-Anwender hatten im Vergleich zu den unbehandelten Patienten ein um 50 %, im Vergleich zu den Personen unter Ibuprofen und Paracetamol ein um 20 % sowie im Vergleich zu den Naproxen-Nutzern ein um 30 % erhöhtes Risiko, innerhalb eines Monats nach Behandlungsbeginn schwere Herz-Kreislauf-Komplikationen zu erleiden.

Besser auf alternative Präparate ausweichen

Insbesondere die Gefahr eines Vorhofflimmerns oder -flatterns, eines ischämischen Schlaganfalls, eines Herzversagens, eines Myokardinfarkts sowie des Herztods nahm zu, und zwar unabhängig von Geschlecht, Alter und Dosis.

Angesichts seiner erheblichen kardiovaskulären Toxizität dürfe Diclofenac nicht länger rezeptfrei verkauft werden, fordern die Autoren. Bei entsprechender Indikation sollten besser andere Antiphlogistika verordnet werden.

Quelle: Schmidt M et al. BMJ 2018; 362: k3426