Die „Pille“ steigert Brustkrebsgefahr um 20 %

Autor: Dr. Judith Lorenz

Mit zunehmender Einnahmedauer des Verhütungsmittels steigt das Risiko an Brustkrebs zu erkranken. © fotolia/Africa Studio

Frauen, die hormonelle Kontrazeptiva einnehmen, haben ein höheres relatives Risiko, an Brustkrebs zu erkranken. Die absolute Risikozunahme ist jedoch gering.

Ein dänisch-schottisches Team wertete epidemiologische Daten von 1,8 Millionen Frauen im Alter zwischen 15 und 49 Jahren aus. Im Vergleich zu Frauen, die noch nie hormonell verhütet hatten, erkrankten diejenigen, die es aktuell oder innerhalb der vorangegangenen sechs Monate taten, signifikant häufiger an einem invasiven Mammakarzinom (Relatives Risiko 1,20).

Mit zunehmender Dauer stieg das Erkrankungsrisiko: von 1,09 bei kürzer als zwölfmonatigem auf bis zu 1,38 nach länger als zehnjährigem Einsatz. Bei mehr als fünfjährigem Gebrauch blieb auch nach Absetzen das Karzinomrisiko für mindestens fünf Jahre erhöht.

Weiterhin gingen die Forscher der Frage nach, inwiefern die Hormonzusammensetzung und -dosierung oraler Kontrazeptiva das Krebsrisiko beeinflusst. Das Ergebnis: Keine der gängigen Kombinationspillen kann als unbedenklich bewertet werden. Auch die Levonorgestrel-Pille sowie das Levonorgestrel freisetzende Intrauterinsystem gehen der Analyse zufolge mit einer signifikant erhöhten Tumorgefahr einher.

Das absolute Risiko, an Brustkrebs zu erkranken, ist aber kaum erhöht: Pro 100 000 Personenjahre muss man mit 13 zusätzlichen Tumoren rechnen. Dies entspricht etwa einem Karzinom pro 7690 Frauen, die ein Jahr lang hormonell verhütet haben. Das sei gegen den Nutzen der Kontrazeptiva – Verhütungssicherheit, Schutz vor Ovarial- und Endometriumkarzinomen – abzuwägen, so das Fazit der Autoren.

Quelle: Mørch LS et al. N Engl J Med 2017; 377: 2228-2239