Anzeige

Erdnussallergie Die Spuren verwischen

Autor: Stefanie Menzel

Je jünger die Kinder sind, desto besser ist offenbar sowohl die Hyposensibilisierungs- als auch die Remissionsrate nach acht Wochen OIT-Pause. Je jünger die Kinder sind, desto besser ist offenbar sowohl die Hyposensibilisierungs- als auch die Remissionsrate nach acht Wochen OIT-Pause. © iStock/ Fertnig
Anzeige

Viele junge Patienten mit Erdnussallergie meiden Veranstaltungen, bei denen sie mit kontaminierten Lebensmitteln in Kontakt kommen könnten. Zu groß ist die Furcht vor einer allergischen Reaktion. Eine frühzeitig begonnene Immuntherapie kann Abhilfe schaffen.

Seit Jahren weiß man, dass sich trotz anderslautender Deklaration in vielen Backwaren Kuhmilch versteckt. Einer aktuellen Studie zufolge ist dies mit Erdnüssen genauso. US-amerikanische Forscher analysierten 154 Proben aus 18 Bäckereien: 2,6 % der Cupcakes, Kekse und Muffins enthielten 0,1–650 mg Erdnuss­protein pro 100 g. „Das entsprach im schlimmsten Fall drei Erdnüssen pro Portion“, übersetzte Prof. Dr. ­Kirsten Beyer vom Kinderallergologischen Studienzentrum der Charité – Universitätsmedizin Berlin.
Erdnussallergiker sind aber offenbar von Haus aus vorsichtig: Wie eine aktuelle Studie belegt, halten sich 49 % der Betroffenen bzw. deren Betreuer fern von sozialen Events, bei denen Speisen gereicht werden. Umgekehrt fühlt sich ein Viertel von Freizeitaktivitäten in Kindergarten, Schule oder Universität ausgeschlossen.

Nebenwirkungen der Therapie nahmen kontinuierlich ab

Eine erste orale Immuntherapie (OIT) für Kinder und Jugendliche zwischen vier und 17 Jahren mit bestätigter Erdnussallergie kam Ende 2020 auf den Markt. In der Zulassungsstudie tolerierten 67,2 % der Teilnehmer nach einem Jahr Therapie 600 mg bzw. zwei Erdnüsse – ein hochsignifikanter Unterschied zu Placebo (4,0 %).

Aktuelle Langzeitdaten belegen eine weitere Zunahme der Wirksamkeit: Nach einem, anderthalb und zwei Jahren OIT stieg nach oraler Provokation der Anteil der Patienten, die 1.000 mg (3,5 Erdnüsse) vertrugen, von 64,5 % auf 79,8 % bzw. 96,2 %. Zudem tolerierte knapp die Hälfte der Patienten nach 18 Monaten Behandlungsdauer bis zu sieben Erdnüsse, nach zwei Jahren waren dies 80,8 %. „Parallel dazu nahmen die Nebenwirkungen der Immuntherapie kontinuierlich ab, sodass es im Jahr zwei und danach deutlich weniger und v.a. keine schweren Reaktionen gab“, so Prof. Beyer.

Nach Möglichkeiten zur weiteren Therapieoptimierung werde gesucht. Eine wirkungsvolle Option schien vor ein paar Jahren die Unterstützung der OIT durch Probiotika (Lactobacillus rhamnosus) zu sein. Die Kombination habe hinsichtlich Hyposensibilisierung und Remission bei ein- bis zehnjährigen Kindern zu Ergebnissen geführt, die laut der Kollegin „zu schön waren, um wahr zu sein“. Mit der Erweiterung des Studiende­signs um die bislang fehlende Placebo­kontrolle kam die Ernüchterung. „Bei gleichzeitig stark vergrößerter Studienpopulation von jetzt 201 Kindern gab es zwischen OIT plus Probiotika und OIT plus Placebo keine Unterschiede mehr.“

Einen Aspekt der aktualisierten Daten hob die Expertin dennoch hervor: Je jünger die Kinder sind, desto besser ist offenbar sowohl die Hyposensibilisierungs- als auch die Remissionsrate nach acht Wochen OIT-Pause. Dies wertete Prof. Beyer als ersten Hinweis darauf, dass man mit der Immuntherapie möglichst früh beginnen sollte.

Bestärkt wird sie in ihrer Annahme durch eine US-amerikanische Studie mit 146 Kindern im Alter von 13 bis 48 Monaten, die bei Studieneinschluss bereits auf sehr geringe Erdnussmengen reagierten. Sie erhielten über zweieinhalb Jahre eine OIT mit 2.000 mg Erdnuss­protein pro Tag, gefolgt von einer sechsmonatigen Eliminationsdiät. 84 % der Per-Protokoll-Patienten hatten nach Ende der OIT eine ­Hyposensibilisierung erreicht, nach der Eliminationsdiät waren es immer noch 29 %. Provoziert wurde jeweils mit 5.000 mg Erdnussprotein. „Bei diesen Ergebnissen würde ich mein Kind nicht pausieren lassen, sondern weitermachen. Wir empfehlen ja selbst bei der natürlichen Toleranzentwicklung, das Allergen regelmäßig zu geben“, erklärte Prof. Beyer.

Seminarbericht: 12. Allergologie-Update-Seminar

 

Anzeige