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Gestationsdiabetes Eine einzige Kontrolle nach der Geburt genügt nicht

Autor: Dr. Anne Benckendorff

Das Risiko einer Gestationsdiabetes ist nicht so hoch wie gedacht, aber der derzeit übliche Test reicht wohl nicht aus, um dauerhaft Entwarnung zu geben. Das Risiko einer Gestationsdiabetes ist nicht so hoch wie gedacht, aber der derzeit übliche Test reicht wohl nicht aus, um dauerhaft Entwarnung zu geben. © iStock/artursfoto
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Das Kind der Mutter mit Gestationsdiabetes ist geboren, der orale Glukosetoleranztest bei ihr unauffällig, also kein Grund zur Sorge? Falsch, denn der einmalige Check post partum scheint nicht aussagekräftig genug.

Dass Frauen nach einem Gestationsdiabetes ein erhöhtes Risiko für einen Diabetes, meist vom Typ 2, haben, weiß man. Neue Daten bringen nun eine gute und eine schlechte Nachricht: Das Risiko ist nicht ganz so hoch wie gedacht, aber der derzeit übliche einmalige orale Glukosetoleranztest (OGTT) post partum reicht wohl nicht aus, um dauerhaft Entwarnung zu geben.

Das lässt sich aus einer aktuellen Analyse der Daten von 202 Frauen mit einem Schwangerschaftsdiabetes ablesen. Basierend auf jährlichen Labor- und Glukosetoleranztests wurde innerhalb von fünf Jahren bei zwölf von ihnen (6 %) ein manifester Typ-2-Diabetes und bei 111 (55 %) ein Prädiabetes diagnostiziert. Zwei Frauen (1 %) entwickelten einen Typ-1-Diabetes. Das häufigste Anzeichen für einen gestörten Glukosestoffwechsel war ein erhöhter Nüchtern-BZ, gefolgt von einer eingeschränkten Glukosetoleranz, der Kombination von beidem und schließlich einem manifesten Diabetes. Auffällig: Die Glukosetoleranz wurde nicht kontinuierlich schlechter, sondern schwankte vielmehr über die Jahre. In einer vergleichbaren Gruppe von 102 Frauen ohne Gestationsdiabetes hatten nach fünf Jahren 83 % einen normalen OGTT, 17 % prädiabetische Werte, und keine einen Diabetes.

Deutschland hat vor elf Jahren damit begonnen, allen Schwangeren einen OGTT zum Screening auf einen Gestationsdiabetes anzubieten. Zuvor war er lediglich bei besonderen Risikokonstellationen durchgeführt worden, schreiben Dr. Stefanie Haschka von der Medizinischen Klinik IV am LMU Klinkum München und Kollegen.

Sinnvoll sind Untersuchungen in mehrjährigen Abständen

Danach wurden deutschlandweit zwar mehr, aber insgesamt mildere Fälle von Gestationsdiabetes festgestellt. Und insgesamt scheint es, als wäre das 5-Jahres-Risiko für die Entwicklung eines Typ-2-Diabetes früher überschätzt worden. Angesichts des hohen Anteils von Frauen mit Prädiabetes verweisen die Autoren aber darauf, dass ein Gestationsdiabetes unverändert ein Risikofaktor für eine Störung des Glukosestoffwechsels bleibt, und dieser langfristig überwacht werden sollte. Mit einem einmaligen OGTT ist es aber wohl nicht getan, sinnvoller scheinen vielmehr Kontrollen in mehrjährigen Abständen.

Quelle: Haschka SJ et al. BMJ Open Diab Res Care 2022; 10: e0002621; DOI: 10.1136/bmjdrc-2021-002621

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