Erneut bestätigt: Cannabis ist Arzneipflanze

Autor: Dr. Elisabeth Nolde/ Ulrich Abendroth

Grünes Licht für medizinisches Marihuana in Deutschland. © fotolia/Atomazul

In Deutschland gibt es auf Beschluss des Bundestages bald Cannabis auf Rezept.Nahezu zeitgleich mit ihrer Entscheidung im Januar erhielten die Parlamentarier für ihre Gesetzgebung höchsten wissenschaftlichen Segen aus den USA. Danach ist Cannabis in bestimmten Indikationen eindeutig hilfreich.

Der Bundestag hat am 19. Januar 2017 das "Gesetz zur Änderung betäubungsmittelrechtlicher und anderer Vorschriften" (Bundestags-Drucksache 18/8965) verabschiedet. Um entsprechende Patienten völlig ordnungsgemäß mit dem schmerzlindernden, appetitanregenden und Übelkeit verhindernden "Stoff" versorgen zu können, sucht das BfArM sogar schon nach qualifizierten Mitarbeitern für seine "Cannabis-agentur".1

BfArM sucht Mitarbeiter für "Cannabis-Agentur"

Dass der legale Zugang zum Hanf tatsächlich medizinisch sinnvoll ist, bestätigten nur wenige Tage vor der entscheidenden Bundestagssitzung die US-amerikanischen "National Academies of Sciences, Engineering and Medicine" in einem umfangreichen Report.2 Analysiert wurden über 10 000 Publikationen, die seit 1999 zu dem Themenkomplex veröffentlicht worden waren. Deren Resultate wurden zusammengefasst sowie verschiedenen thematischen Kategorien und Evidenzleveln zugeordnet.

In der Kategorie "therapeutische Effekte" z.B. erzielten drei Behandlungsansätze die höchstmögliche Evidenz: Bei Patienten mit chronischen Schmerzen, die mit Cannabis oder Cannabinoiden behandelt wurden, profitierten eher von einer signifikanten Schmerzreduktion, urteilen die US-Experten. Auch Spastiken bei Multipler Sklerose besserten sich nachweislich durch kurzzeitige orale Einnahme von Cannabinoiden und cannabinoidbasierten Pharmazeutika.

Die dritte Schlussfolgerung mit guter Evidenz gilt Übelkeit und Erbrechen, die im Rahmen einer Chemotherapie auftreten: Orale Cannabinoide beugen laut dem US-Report diesen Beschwerden vor bzw. führen zu einer Besserung. In einer weiteren Kategorie geht es um potenzielle Krebsrisiken, z.B. durch Rauchen von Marihuana. Den Autoren des Reports zufolge erhöht sich dadurch nicht das Risiko für Krebsarten, die üblicherweise mit Tabakkonsum assoziiert sind, z.B. Lungen- und Kopf-Hals-Tumoren.

Gefahren vor allem bei sehr häufigem Konsum

Aber die Medaille hat natürlich auch eine Kehrseite: Das Risiko für Verkehrsunfälle ist unter Cannabis-Einfluss demnach mit "beträchtlicher Evidenz" erhöht. Und – besonders bei sehr häufigem Cannabis-Konsum – nimmt auch die Gefahr zu, an Schizophrenie, anderen Psychosen und Angststörungen zu erkranken.Etwas weniger ausgeprägt gilt dies auch für Depressionen.

Allerdings gibt es in vielen Punkten noch deutlichen Forschungsbedarf. So stehen etwa in Bezug auf mögliche Zusammenhänge zwischen Cannabis und dem Auftreten von Herzerkrankungen, Schlaganfällen oder Diabetes nach Ansicht der US-Experten noch nicht genügend Daten zur Verfügung, um evidenzbasierte Schlussfolgerungen ziehen zu können.

Quellen:
1) BfArM
2) www.eurekalert.org/pub_releases/2017-01/naos-heo011217.php und
     www.nationalacademies.org/hmd/reports/2017/health-effects-of-cannabis-and-cannabinoids.aspx