Fäkaler Mikrobiomtransfer: Auf der Suche nach dem passenden Spender

Autor: Friederike Klein

Suche nach dem Superstuhl: Patienten wollen lieber den Stuhl eines gut untersuchten Fremden als den der eigenen Schwester. © iStock.com/Talaj

Der fäkale Mikrobiomtransfer kann bei schweren Clostridium-difficile-Infektionen etwa neun von zehn Betroffenen heilen. Doch nicht jeder „dahergelaufene“ Spender kommt infrage.

Aufbereitung und Applikation des Spenderstuhls unterliegen dem Arzneimittelgesetz, das Präparat hat den Status eines zulassungspflichtigen Arzneimittels. „Jeder durchführende Arzt muss für sich einen Antrag stellen, wenn er einen fäkalen Mikrobiomtransfer (FMT) durchführen will“, erläuterte Dr. Ulrich Rosien von der Medizinischen Klinik am Israelitischen Krankenhaus in Hamburg. „Eine Erlaubnis braucht er aber nicht.“

Die Spenderauswahl gestaltet sich aber gar nicht so einfach. Auf der einen Seite sind vom Empfänger benannte potenzielle Spender in der Mehrzahl nicht geeignet und fallen beim Screening auf Infektions-, Adipositas- oder Karzinomrisiken durchs Raster. Auf der anderen Seite können viele Empfänger gar keine potenziellen Donatoren angeben.

Dafür hat Dr. Rosien in seiner Praxis eine Lösung: „Wir haben ‚Superspender‘, die regelmäßig untersucht werden und zur Verfügung stehen, wenn kein anderer benannt werden kann.“ Seiner Erfahrung nach ist die Akzeptanz des FMT sowieso bei vielen Betroffenen größer, wenn es sich um ein Präparat aus dem Stuhl eines gut untersuchten Fremden als aus dem der eigenen Schwester handelt.

Frisch, homogenisiert und gut verpackt

Die Herstellung und Durchführung verantwortet der behandelnde Arzt, der den Prozess persönlich begleiten muss. Kapseln im Vorfeld für viele Empfänger zu produzieren, ist nicht erlaubt, es muss immer das Präparat von Spender A für den Transfer in Patient B hergestellt werden, erläuterte Dr. Rosien.

Dabei sollte der Stuhl nicht älter als sechs Stunden sein. Die Aufbereitung erfolgt bei ihm im Fäkalienraum für die Endoskopie. Die Transplantatmasse homogenisiert und filtriert sein Team mit 500 ml physiologischer Kochsalzlösung im Standmixer, um den Arbeitskanal des Endoskops nicht zu verstopfen. Die Emulsion wird in Perfusorspritzen aufgezogen, verschlossen und kann dann den Fäkalienraum verlassen, den man anschließend mit Flächendesinfektion nach Anaerobier-Standard aufbereiten muss. Zur Therapie der schweren Clostridium-difficile-Infektion empfiehlt Dr. Rosien eine antibiotische Vorbehandlung, die 48 Stunden vor dem Transfer pausieren sollte. Sein bevorzugtes Verfahren des FMT ist die zökale und kolonische Applikation per Endoskopie in Rechtsseitenlage.

Nach dem Transfer steigt der Geräuschpegel

Danach sollte der Patient den Stuhl möglichst lange halten. Raum und Gerät bedürfen hinterher natürlich der clostridiengerechten Reinigung. Etwa die Hälfte der Patienten entwickelt nach dem Transfer unspezifische Bauchschmerzen, Meteorismus und Flatulenz. „Es ist laut“, sagte Dr. Rosien. Eine stationäre Überwachung sollte man individuell nach Alter, Allgemeinzustand, Komorbidität und Immunstatus erwägen. Bei schwerer Clostridium-difficile-Infektion weist Dr. Rosien aber fast alle Patienten in die Klinik ein.

Quelle: Viszeralmedizin 2018