Folgenreiche Dreckschleudern: Bereits ein Stahlwerk weniger reduziert die Zahl der Klinikeinweisungen

Autor: Dr. Daniela Erhard

Nachdem ein Stahlwerk geschlossen hatte, sanken auch die Schülerfehlzeiten um 40 %. Wohlgemerkt wegen der Luft, nicht, weil sie dort arbeiteten. © iStock/zhaojiankang

Wenn es darum geht, Feinstaub, Stickoxide und andere Schadstoffe zu reduzieren, herrscht in der Politik oft dicke Luft. Dabei lassen sich damit Fehlzeiten, Frühgeburten und die Mortalität senken.

China, die USA und Irland haben es vorgemacht: Schon kleine Änderungen verbessern die Luftqualität erheblich. In erster Linie profitiert davon die Bevölkerung, indem sie z.B. seltener unter Atemwegs- und Herzerkrankungen leidet – und länger lebt. Das Environmental Committee vom Forum of International Respiratory Societies listet in einem aktuellen Beitrag viele Beispiele auf, die belegen, wie die Reduktion von Feinstaub, Ozon, Stickoxiden und Schwefelverbindungen in der Luft die Gesundheit beeinflusst.

Die Experten, zu denen die Düsseldorfer Epidemiologin Professor Dr. Barbara­ Hoffmann­ vom Institut für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin der Heinrich-Heine-Universität gehört, waren v.a. vom Ausmaß der Effekte und der Geschwindigkeit beeindruckt, mit der sich der Benefit zeigte. Fällt ein Luftverschmutzer aus, macht sich das nämlich schnell bemerkbar.

So halbierte die 13-monatige Schließung eines Stahlwerks in den USA nicht nur die Feinstaubbelastung. Auch die Zahl der Klinikeinweisungen aufgrund von Lungen- und Rippenfellentzündungen, Bronchitis sowie Asthma ging in den darauffolgenden Wochen zurück. Schulfehlzeiten reduzierten sich um 40 %, die tägliche Mortalität sank um 16 % pro 100 µg weniger PM10-Feinstaub/m³ und es kam seltener zu Frühgeburten. Sogar kurzfristige Verkehrsbeschränkungen, wie bei den Olympischen Spielen in Atlanta 1996 und Peking 2008, ließen Atemwegserkrankungen von Kindern, kardiovaskuläre Todesfälle und systemische Entzündungen bei Gesunden abnehmen.

Luftreinhaltung lohnt sich auch bei geringer Belastung

Beinahe in Echtzeit ließ sich der Effekt eines Rauchverbots messen: Als Irland im Jahr 2004 das Qualmen in geschlossenen Räumen stoppte, ging es schon in der ersten Woche mit der Gesundheit der Menschen bergauf, v.a. bei jungen und Nichtrauchern. Eine um 13 % niedrigere Mortalitätsrate, 26 % weniger ischämische Herzkrankheiten, fast ein Drittel weniger Schlaganfälle und ein Minus von 38 % bei COPD waren die Folge.

Mittlerweile lässt sich auch etwas zu den langfristigen Effekten sagen. Etwa beim lungengängigen Feinststaub PM2,5, also 2,5 µm großen Partikeln, die bis in die Lungenbläschen gelangen. Zwischen 1980 und 2000 ging die Belastung mit PM2,5 in den USA stark zurück – verbunden mit einem Anstieg der Lebenserwartung um mehr als sieben Monate pro Reduktion um 10 µg/m³. Obwohl nach der Jahrtausendwende die weitere Luftverbesserung nur noch mäßig ausfiel, stieg die Lebenserwartung nochmals um vier Monate mit jedem Minus von 10 µg/m³. Entsprechend sank die Mortalität.

Ein linearer Zusammenhang zwischen Sterberate und Feinstaubbelastung ließ sich noch bis zu einem PM2,5-Wert von 8 µg/m³ feststellen – was unterhalb des Grenzwerts der Weltgesundheitsorganisation liegt. Insofern lohnt sich Luftreinhaltung auch dann noch, wenn die Belas­tung schon niedrig ist.

1. Schraufnagel DE et al. Ann Am Thorac Soc 2019; 16: 1478-1487; DOI: 10.1513/AnnalsATS.201907-538CME
2. Pressemitteilung der American Thoracic Society