Gerötet, bräunlich, verfärbt – Hauterkrankungen bei Diabetes richtig einordnen

Autor: Dr. Andrea Wülker

Typisch für Necrobiosis lipoidica: gelb-rötliche, scharf begrenzte Effloreszenzen an den Streckseiten der Unterschenkel. Typisch für Necrobiosis lipoidica: gelb-rötliche, scharf begrenzte Effloreszenzen an den Streckseiten der Unterschenkel. © wikimedia/Warfieldian (CC BY-SA 3.0)

Auffällige Gesichtsrötungen, bräunliche Flecken am Unterschenkel, schmutzig-graubraun verfärbte Achselhöhlen: Sehr viele Diabetes­patienten weisen Hautveränderungen auf. Was zeichnet sie aus?

Mehrere Faktoren sorgen für Hautprobleme bei Diabetes­. Dazu gehören unter anderem Austrocknung durch Flüssigkeitsverlust, Durchblutungsstörungen, erhöhte Infektanfälligkeit, neuropathische Veränderungen und „Verzuckerung“ der Haut, berichtete Dr. Cornelia Woitek, niedergelassene Diabetologin in Wurzen.

Nicht ins Fettnäpfchen treten

Zur Hautpflege bei Diabetes gab Dr. Woitek eine Reihe praktischer Tipps:

  • duschen oder baden bei max. 33 °C
  • auf ausgiebige Wannenbäder verzichten
  • nach dem Duschen oder dem Baden gründlich abtrocknen, v.a. zwischen den Zehen
  • keine Wasser-in-Öl-Emulsionen, sondern Öl-in-Wasser-Emulsionen
  • Glycerin und Glycin helfen, den Feuchtigkeitsgehalt der Haut zu erhalten
  • Harnstoff unterstützt die Wasserbindung
  • Vitamin E wirkt antioxidativ
  • Panthenol lindert Juckreiz und fördert die Zellerneuerung etwas
  • Hamamelis unterstützt die Regeneration und hemmt Entzündungen
  • Aloe vera wirkt antibakteriell

R23: Rubeosis faciei­ diabeticorum

Bei vielen Menschen mit Diabetes fällt ein persistierendes, hellrotes Gesichtserythem auf, das sich unter Wärme, Kaffee- oder Alkoholkonsum verstärkt (Reflexantwort). Oft liegt gleichzeitig ein Palmarerythem vor.

Eine Therapie gibt es nicht.

E11.6: diabetische Dermopathie

Sie kommt häufig vor und zeichnet sich durch rot-bräunliche, schmerzlose und zum Teil atrophische Pigmentflecken am Knöchel oder an den Unterschenkelstreckseiten aus. Den betroffenen Stellen fehlen die Haare.

Eine Heilung erfolgt spontan und meist narbenfrei, sobald der Dia­betes eingestellt ist.

L92.1/E11.60: Necrobiosis lipoidica

An den Unterschenkelstreckseiten und gelegentlich am Fußrücken befinden sich scharf begrenzte, derbe, gelblich-rötliche Effloreszenzen mit zentral verdünnter Haut und Teleangiektasien, die sich zentrifugal ausbreiten. Hauptsächlich trifft es Frauen. Als Ursache wird eine Mikroangiopathie diskutiert. Eine Biopsie ist tabu, denn die Haut heilt „nie wieder“, warnte die Expertin.

Therapeutisch stehen Schutz vor Traumen, Nikotinverzicht und Kompression im Vordergrund. Fehlen Ulzerationen, kommt eine lokale Steroidtherapie infrage, ansonsten eine systemische.

L83: Acanthosis nigricans benigna

Die „schmutzige Haut“ befindet sich an Achselhöhlen oder Hals und Nacken in Form von flächigen, symmetrischen, nicht-juckenden und schmerzlosen grau-bräunlichen Keratosen. Es liegt eine Keratinozyten­proliferation zugrunde.

Therapeutisch kann 5–10%ige Salicylvaseline helfen. Selten tritt eine Neoplasie auf.

E14.69: Bullosis diabeticorum

Es bilden sich spontan Blasen am Hand- oder Fußrücken, umgeben von gesunder Haut.

Die Referentin nannte als Maßnahme steriles Abdecken, um Infektionen zu vermeiden und die Stellen „eintrocknen“ zu lassen.

L92.0: Granuloma anulare disseminatum

Es treten ringförmig gruppierte, meist hautfarbene Knötchen mit zentral eingesunkener Haut am Stamm oder an den Streckseiten von Händen und Füßen auf.

Leichte Fälle heilen i.d.R. spontan, ausgeprägte erfordern einen Dermatologen, mit dem man die Möglichkeit einer Lichttherapie diskutiert, betonte Dr. Woitek.

Kongressbericht: Diabetes Herbsttagung 2019