Glaube kann Bäuche versetzen

Autor: Dr. Anne Benckendorff/Maria Fett

Wenn die Eltern glauben keine Kontrolle zu haben, bringt das Kind gleich mehr auf die Waage © fotolia/ruslanshug

Unaufhörlich suchen Forscher nach Gründen, warum Kinder und Jugendliche immer dicker werden. Mit der Einstellung, gar nichts dafür zu können, steht jetzt ein neuer Schuldiger im Visier.

Prinzipiell gibt es zwei Ansichten: Entweder glaubt man, selbst für sein Glück (und Leid) verantwortlich zu sein. Oder man schiebt höheren Mächten die Schuld zu. Aber kann der Hang zum einen oder anderen das Körpergewicht in die Höhe treiben? Dieser Frage gingen britische und US-amerikanische Forscher nach.

Anhand der Langzeitdaten von 7329 Familien errechneten sie den Einfluss der Kontroll­überzeugungen der Eltern auf die Fettmasse ihrer Kinder. Und in der Tat brachten die Sprösslinge mit 15 Jahren durchschnittlich 1,7 kg zusätzlich auf die Waage, wenn die Mutter während der Schwangerschaft eher davon überzeugt war, dass sie entscheidende Aspekte ihres Lebens nicht beeinflussen kann (sog. externale Kontroll­überzeugung). War der Vater dieser Ansicht, wiesen die Kinder rund 1,5 kg mehr Fettmasse auf als diejenigen, deren Eltern an ihre eigene Verantwortung glaubten (internale Kontroll­überzeugung).

Verhalten der Eltern erklärt einen Teil des Effekts

Etwa ein Drittel dieses Effekts konnten die Wissenschaftler dem elterlichen Verhalten vor und nach der Geburt zuschreiben, z.B. Rauchen und Füttern per Fläschchen statt Stillen. Und die Ansicht der Kinder? Waren sie mit acht Jahren von externen Kräften überzeugt, spiegelte sich das mit 1,5 kg Zusatzgewicht auf der Waage wider. Mit der Ernährung und Aktivität in der späteren Kindheit scheint es keinen Zusammenhang zu geben.

Quelle: Golding J et al. Int J Obes 2018; online first