Globale Ernährungsrisiken: Wie gesund isst die Welt?

Autor: Ulrike Viegener

Die systematische Metaanalyse zu globalen Ernährungsrisiken zeigt: 1 von 5 Todesfällen ließe sich verhindern. © Africa Studio – stock.adobe.com

Jeder fünfte Todesfall weltweit lässt sich auf Ernährungsfaktoren zurückführen. Die Bedeutung dieses Gesundheitsrisikos macht eine großangelegte Metaanalyse deutlich. Untersucht wurden 15 Ernährungsfaktoren in 195 Ländern. Verbesserungsbedarf fanden die Autoren so gut wie überall.

Bei der Ernährung besteht weltweit Verbesserungsbedarf – so das Ergebnis der globalen „Global Burden of Diesase“(GBD)-Studie. In der systematischen Metaanalyse wurden Daten aus 195 Ländern über einen Zeitraum von 1990 bis 2017 erfasst. Die Studienautoren untersuchten 15 Ernährungscharakteristika, deren Bedeutung für die Gesundheit als gesichert bzw. sehr wahrscheinlich gilt. Geprüft wurde, ob die optimalen Tagesrationen verschiedenster Lebensmittel wie Obst, Gemüse, Vollkorn, Hülsenfrüchte, Nüsse und Samen, Milch, rotes Fleisch, verarbeitete Fleischprodukte und gesüßte Getränke über- oder unterschritten wurden. Auch die Empfehlungen für den Konsum von Natrium, Kalzium und der Konsum verschiedener Fette wurde in die Analyse mit einbezogen.

Zudem wurde ermittelt, wie viele Todesfälle auf die Ernährungsfaktoren zurückzuführen sind und auf welche Erkrankungen. Der Einfluss auf die Lebensqualität wurde anhand der Anzahl Disability-Adjusted Life Years (DALYs) beleuchtet.

Die Metaanalyse von Daten aus immerhin 195 Ländern ergab folgendes Bild: Im Jahr 2017 gehen weltweit insgesamt 11 Millionen Todesfälle sowie 255 Millionen DALYs auf das Konto ungesunder Ernährung. Das sind ca. 22 % aller weltweiten Todesfälle – in Westeuropa gehen immerhin 15 % aller Todesfälle auf ungünstige Ernährungsfaktoren zurück. Globale Spitzenreiter waren dabei ein hoher Natriumgehalt der Nahrung, ein niedriger Vollkornanteil und ein geringer Früchte­konsum.

Drei Faktoren mit der Hälfte der Todesfälle assoziiert

Zu viel Natrium sei 2017 für drei Millionen Todesfälle und 70 Millionen DALYs verantwortlich zu machen, heißt es. In erster Linie handelt es sich dabei um kardiovaskuläre Morbidität und Mortalität, zusätzlich wurde eine Relevanz der Natriumaufnahme mit Blick auf Neoplasien festgestellt. Einem geringen Vollkornverzehr waren laut der GBD-Studie im Jahr 2017 weltweit ebenfalls 3 Millionen Todesfälle sowie 82 Millionen DALYs zuzuschreiben, wobei hier eine Assoziation zu Typ-2-Diabetes gefunden wurde. Ein geringer Verzehr von Obst schließlich wurde mit zwei Millionen Todesfällen und 65 Millionen DALYs in Verbindung gebracht. Mehr als die Hälfte aller ernährungsassoziierten Todesfälle gehen auf das Konto dieser drei Ernährungsfaktoren, schlussfolgerten die Autoren.

Quelle: GBD 2017 Diet Collaborators. Lancet 2019; DOI: doi.org/10.1016/S0140-6736(19)30041-8

Auch bei der differenzierten Analyse einzelner Länder standen viel Natrium, wenig Vollkorn und wenig Obst ganz oben auf der Liste der krankheitsassoziierten Ernährungsfaktoren. Untermauert werden durch die Metaanalyse die vermuteten günstigen Effekte von Omega-3-Fettsäuren: Sowohl ein geringer Verzehr von Nüssen als auch eine Ernährung arm an Fisch und Meeresfrüchten ist mit einer vergleichsweise hohen Morbidität/Mortalität verknüpft. Die schädlichen Effekte von Zucker und Fett, die seit Jahren im Fokus der Diskussionen stehen, scheinen dagegen eine nachrangige Bedeutung zu haben, wie die Autoren der Meta­analyse betonen.

Enormer Einfluss der Ernährung in Auswertung bestätigt

Laut Studienautoren verdeutlichen die Ergebnisse der Metaanalyse, dass ausgewogene Ernährung eine enorme Bedeutung für unsere Gesundheit besitzt. Die gesundheitlichen Nachteile, die sich aus bestimmten ungünstigen Ernährungsweisen ergeben, haben eine größere Tragweite als die Effekte aller anderen Risikofaktoren einschließlich des Rauchens, so die Autoren. Daraus ergibt sich ein großes Präventionspotenzial: Einer von fünf Todesfällen weltweit ließe sich durch die Korrektur ungünstiger Ernährungsfaktoren verhindern. 

Verlorene Jahre

Anhand des Parameters „Disability-Adjusted Life Years“ (DALYs) wird die Krankheitsbelastung quantifiziert. Angegeben wird die Summe an Lebensjahren, die aufgrund vorzeitigen Todes verloren gehen (ausgehend von der Standard-Lebenserwartung des jeweiligen Landes), sowie der Jahre, die mit Krankheit oder Behinderung verbracht werden.

Das präventive Potenzial betrifft vor allem kardiovaskuläre Erkrankungen. Aber auch mit Blick auf Diabetes Typ 2 sowie auf onkologische Erkrankungen lässt die Metaanalyse ein gewisses Potenzial zur Prävention erkennen: Denn Einflüsse auf die diabetesbedingte Morbidität bzw. Mortalität wurden für die Faktoren Vollkorn, Früchte, Nüsse, zuckerhaltige Getränke und rotes Fleisch bzw. Fleisch- und Wurst­waren verifiziert.

Was die Umsetzung der gewonnenen Daten in Strategien anbetrifft, so sind sich die Autoren der Metaanalyse der zahlreichen Hürden bewusst, die es dabei zu überwinden gilt. Sie äußern jedoch die Hoffnung, mit ihrer „Real-World-Analyse“ die Chancen auf effektive, weil zielgenaue Präventionsstrategien verbessert zu haben.

Quelle: GBD 2017 Diet Collaborators. Lancet 2019; DOI: doi.org/10.1016/S0140-6736(19)30041-8