Große Erfolge in der Krebstherapie – Prävention dennoch stärken

Autor: Cornelia Kolbeck

Darmkrebsvorsorge zeigt gute Erfolge. © fotolia/Gina Sanders

Jeder zweite Erwachsene muss mit einer Krebserkrankung rechnen, teilweise erkrankt er sogar mehrfach. Für 40 % aller Deutschen wird Krebs trotz immer besserer Heilungschancen in Zukunft die Todesursache sein. Prävention ist von großer Bedeutung, mahnen Krebsexperten.

Wie Professor Dr. Christof von Kalle, Leiter der Abteilung Translationale Onkologie am Deutschen Krebsforschungszentrum Heidelberg (DKFZ), erklärt, entfallen trotz der Erkrankungszahlen derzeit nur 6 % der Gesundheitsausgaben auf die Behandlung von Tumoren. Die Anteile seien sogar rückläufig (2008: 6,1 %, 2015: 5,9 %): „Gründe für die Kostendisziplin sind die Verlagerung auf ambulante Therapien, die Therapieerfolge und die zöger­liche Umsetzung, Neuentwicklungen flächendeckend anzuwenden.“ Auch die Ausgaben für Krebsmedikamente lägen seit Jahren unverändert bei etwa einem Zehntel der gesamten Arzneimittelausgaben der GKV.

Dem stehe „eine Explosion an Wissen“ gegenüber, zeigt sich Prof. von Kalle zufrieden. „Wir wissen heute viel besser, wie Krebs entsteht und wie er mit dem Immunsystem interagiert.“ Besonders in der Immunonkologie verspreche man sich künftig gute Heilungschancen.

Deutsche Krebshilfe investiert Millionen in Prävention

Der Spezialist hält es dennoch für unerlässlich, mehr für die Krebsvorsorge zu tun: „Vorbeugung ist güns­tiger als eine Tumortherapie, ganz abgesehen von den Strapazen dieser Behandlungen, die den Menschen dadurch erspart bleiben.“

Seinen Angaben zufolge stellt die Deutsche Krebshilfe jährlich 120 Mio. Euro für die Prävention zur Verfügung. Der Bund investiert mehr als eine Mrd. Euro, die vorwiegend in die Grundlagenforschung fließen. Hinzu kommt die Förderung der Länder von Universitäten, an denen Krebsbehandlung und Forschung stattfinden. Doch könnte aus Sicht von Prof. von Kalle auch Geld aus Einnahmen des Bundes aus der Tabak- und Branntweinsteuer in die Krebsprävention fließen.

Kritik übt der Arzt am Gemeinsamen Bundesausschuss, der noch nicht das Einladungsverfahren zum Darmkrebsscreening auf den Weg gebracht hat. 2016 sollte es starten.

Darmkrebs sei der einzige Krebs, für den es eine effektive Vorsorgemöglichkeit gibt, unterstreicht Dr. Christa Maar, Vorstand der Felix Burda Stiftung und Präsidentin des Netzwerks gegen Darmkrebs. Sie verweist auf die gesetzliche Vorsorgekoloskopie für Anspruchsberechtigte über 55 Jahre. Seit 2002 haben etwa 6,5 Mio. Versicherte die Leistung in Anspruch genommen. 250 000 Darmkrebs-Neuerkrankungen und 120 000 Todesfälle durch Darmkrebs konnten verhindert werden.

Als „beunruhigend“ bezeichnet Dr. Maar Daten aus den USA. Eine Studie im Auftrag der American Cancer Society und des National Cancer Institute hatte Darmkrebs-Erkrankungsraten von 10 bis 11 % bei Menschen unter 50 Jahren (young onset) ergeben. Die Zahl der Neuerkrankungen war seit Mitte der 1980er-Jahre bei Menschen im Alter von 20 bis 39 Jahren jährlich um 1 % bis 2,4 % gestiegen.

Darmkrebs unter 50 betreffe eine zu kleine Gruppe an Menschen, um ein Screening-Programm einzuführen, so Dr. Maar. Deshalb sei der Blick auf familiäre Vorbelastung wichtig. Die Präventionsexpertin fordert u.a., dass die Erhebung der Familienanamnese für Patienten im Alter von 20 bis 25 Jahren zur Regelleistung wird, dass Indexpatienten über ihre Darmkrebsrisiken aufgeklärt werden und dass Ärzte sich an Fortbildungen zu diesem Thema beteiligen müssen.

Dass der ärztliche Blick geschärft werden muss, bestätigt Frauke Frodl, Sprecherin der Deutschen Stiftung Junge Erwachsene mit Krebs. Am Rande des Pressegesprächs erwähnte sie gegenüber Medical Tribune einen Fall, bei dem ein junger Erkrankter vom Hausarzt mit der Bemerkung beruhigt worden war, er sei zu jung für Darmkrebs.

Quelle: Pressegespräch von NCT und DKFZ