Harmlose Analknubbel: Sogar aus dem After spritzendes Blut ist meist kein Grund zur Sorge

Autor: Dr. Dorothea Ranft

Ein großer perianaler Thrombus kann spontan platzen. Dadurch lässt der Schmerz nach. In der Unterhose finden sich dann oft dunkle Krümel. © wikimedia/Braegel

Bei vielen, die über Hämorrhoiden klagen, macht sich in Wirklichkeit etwas ganz anderes am Anus breit: eine Mariske oder Thrombose zum Beispiel. Ein Expertenteam erläutert, wie Sie die wahre Ursache finden und für rasche Abhilfe sorgen.

Marisken

Bei den Marisken springt der Unterschied sofort ins Auge: Hämorrhoiden sind gut durchblutete, rötliche oder livide Strukturen, die im Analkanal entspringen, zumindest temporär prolabieren und sich meist gut reponieren lassen. Marisken dagegen sind Anhängsel der perianalen Haut, die sich bei der digitalen Palpation weder in den Analkanal zurückdrängen lassen noch beim Pressen mit Blut füllen.

Sie können solitär, vereinzelt oder als Mariskenkranz auftreten und bilden sich möglicherweise auf dem Boden von Perianalvenenthrombosen, so Dr. Jürgen Feisthammel und Professor Dr. Joachim Mössner vom Universitätsklinikum Leipzig. Eine Biopsie wird nur bei Größenzunahme oder verdächtiger z.B. erodierter Oberfläche der Mariske empfohlen. Eine Resektion sollte nur auf dringenden Patientenwunsch oder bei Problemen mit der Analhygiene erfolgen (cave: Narbenbildung).

Hämorrhoiden

Einen Krankheitswert entwickeln die vergrößerten Gefäßpolster des Corpus carvernosum recti erst, wenn Patienten über Beschwerden klagen. Blutungen machen sich vor allem durch frische hämorrhagische Flecken am Toilettenpapier bemerkbar. Tropfende oder spritzende Blutungen nach der Defäkation können den Patienten erheblich beunruhigen, verursachen aber nur selten relevante Hämoglobinverluste. Der ebenfalls häufig berichtete Juckreiz kann unabhängig von der Defäkation auftreten. Dabei kommt es aufgrund einer gestörten Feinkontinenz zum Austritt von fäkulentem Schleim, der die perianale Haut reizt. Schmerzen treten erst bei fortgeschrittenen, meist viertgradigen Hämorrhoiden auf (s. Kasten).

Hämorrhoiden in vier Graden

  • Grad I: Hämorrhoiden sind nur proktoskopisch sichtbar, sie prolabieren nicht nach außen.
  • Grad II: Prolabierende Hämorrho­iden, die sich spontan reponieren.
  • Grad III: Hämorrhoidalknoten müssen manuell reponiert werden.
  • Grad IV: Nach außen fixierter Prolaps ausgelöst z.B. durch Gewebsfibrose oder Narbenbildung, akut kann sich eine ödematöse Schwellung bilden.

Dabei korreliert die Gradeinteilung kaum mit den klinischen Symptomen.

Vielen Patienten hilft bereits eine konservative Therapie mit ballaststoffreicher Kost oder die Einnahme von täglich drei Esslöffeln Flohsamenschalen-Pulver in einem Glas Wasser. Durchfall und Verstopfung sollten ebenso vermieden werden wie lange Toilettengänge und starkes Pressen. Von Hämorrhoidalsalben und -zäpfchen raten die Autoren mangels Wirknachweis ab.

Kommt man trotz dieser Maßnahmen nicht weiter, hilft in der Mehrzahl der Fälle eine Gummibandligatur. Dieser Eingriff ist meist bei Grad-II-Hämorrhoiden indiziert, aber auch erst- und drittgradige Knoten können damit erfolgreich behandelt werden. Ein außen fixierter Prolaps (Grad IV) muss in der Regel operativ saniert werden, wobei man ggf. das Abschwellen der Schleimhaut abwartet.

Analvenenthrombose

Ebenfalls Anlass zur Verwechslung mit Hämorrhoiden bildet die akute Analvenenthrombose. Betroffene Patienten berichten typischerweise über ein neu aufgetretenes Knötchen am Anus, das häufig mit starken Schmerzen verbunden ist. Im Gegensatz zur Analfissur treten diese unabhängig vom Stuhlgang auf. Der Thrombusknoten bildet sich spontan zurück und verheilt innerhalb von Wochen ohne Residuum – was man dem Patienten auch mitteilen sollte.

In der Akutsituation kann eine Inzision des Thrombusknotens die Schmerzen lindern, wegen der Blutungsgefahr raten die Autoren jedoch, die Indikation hierfür streng zu stellen. Konservativ behandelte Patienten sollten ein Schmerzmittel erhalten, lokalanästhetische Salben und Zäpfchen wirken oft nur unzureichend. Bei größeren Knoten kann es zu einer spontanen Perforation kommen, die sich z.B. durch dunkles krümeliges Material in der Unterwäsche bemerkbar macht. Die Perforation führt üblicherweise zu einer deutlichen Besserung der Schmerzen und erfordert keine besondere Therapie.

Quelle: Feisthammel J, Mössner J. Internist 2017; 58: 1053-1064