Herzpatienten schnuppern Höhenluft: Gipfelstürmer richtig beraten

Autor: Dr. Alexandra Bischoff

Mit gut eingestelltem Hochdruck kann er so manchen Berg erklimmen. © fotolia/gilitukha

Bergsteigen trotz erkranktem Herzen? Experten geben grünes Licht. Zumindest bei geringem kardiovaskulärem Risiko und nur leichten Symptomen im Flachland. Die 3000-Meter-Marke sollten Patienten allerdings nicht knacken.

Mehrere Studien haben sich mit dem Thema beschäftigt, welche Herzpatienten bedenkenlos den Ausflug in luftige Höhe wagen dürfen. Aufgrund der geringen Fallzahlen sollte man die daraus abgeleiteten Empfehlungen aber nur als Expertenmeinungen werten, schreibt Dr. Philipp Hoigné-Perret von der Kardiologischen Gemeinschaftspraxis Bern AG. Ob ein Patient fit genug sei, müsse der Arzt letztendlich individuell beurteilen.

Koronare Herzkrankheit

Bei stabiler KHK sank Studien zufolge die myokardiale Blutflussreserve in einer Höhe von 2500 m um 18 %. Insbesondere in den ersten Tagen der Höhenexposition wurden die Patienten bereits bei geringer Leistung symptomatisch. Erst nach fünftägiger Akklimatisation erreichten die belastungsabhängigen Beschwerden Flachlandniveau.

In einer anderen Untersuchung wurden Herzinfarktpatienten mit einem niedrigen myokardialen Risiko via Seilbahn auf den Säntis (2500 m) bzw. das Jungfraujoch (3454 m) befördert. Dort sollten sie auf dem Fahrradergometer strampeln – und zeigten keinerlei negativen Symptome. Es scheint also nichts dagegen zu sprechen, dass Patienten einen Tagestrip mit der Seilbahn auf bis zu 3454 m unternehmen. Vorausgesetzt, sie sind mindestens sechs Monate nach einem akuten Koronarsymptom stabil und weisen normale Belastungstestergebnisse im Flachland auf.

Wer einen mehrtägigen Aufenthalt plant, sollte sich allerdings akklimatisieren. Der Experte rät, die Schlafhöhe ab 2000 m mit weniger als 300 m pro Tag zu steigern und sich in den ersten Tagen körperlich nur gering zu belasten.

Herzinsuffizienz

In insgesamt vier Studien untersuchten Wissenschaftler Patienten mit einer stabilen Herzinsuffizienz (NYHA II) sowie einer mittelschwer eingeschränkten linksventrikulären Ejektionsfraktion (LVEF 32–40 %). Zwar nahm bei den Betroffenen auf 3000 m Höhe im Vergleich zu Gesunden sowohl die maximale Sauerstoffaufnahme als auch die Leitungsfähigkeit stärker ab. Dennoch verschlechterte sich dadurch weder die Herzinsuffizienz, noch traten Symptome auf.

Dr. Hoigné-Perret schlussfolgert daraus, dass Patienten mit einer kompensierten Herzinsuffizienz und einer guten Belastbarkeit (mind. 50 % der Sollleistung) kurzfristige Ausflüge in Höhen bis zu 3000 m unternehmen können. Ist die Leis­tungsfähigkeit der Kranken dagegen deutlich eingeschränkt oder sind die Betroffenen kardial dekompensiert, sollten sie besser im Flachland bleiben.

Arterielle Hypertonie

Es gibt Hinweise, dass Patienten mit einem medikamentös gut eingestellten Blutdruck durchaus Gipfelstürmer für einen Tag werden können. Bei längeren Aufenthalten sollten sie regelmäßig den Blutdruck messen und vorher mit ihrem Arzt besprechen, wie sie bei evtl. Blutdruckschwankungen die Medikation anpassen.

Herzrhythmusstörungen

Während eines längeren Höhenaufenthalts können in den ersten fünf Tagen vermehrt supraventrikuläre und ventrikuläre Extrasystolen auftreten, die sich jedoch nach erfolgter Akklimatisation normalisieren. Patienten mit schlecht frequenzkontrolliertem Vorhofflimmern oder einer verminderten Leistungsfähigkeit infolge von Arrhythmien rät der Experte von Ausflügen in die Berge ab. adb

Quelle: Hoigné-Perret P. Therapeutische Umschau 2017; 74: 549-552