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Musik gegen Migräne Hinweise auf prophylaktische Effekte einer Smartphone-App

Autor: Dr. Angelika Bischoff

Tatsächlich führte die Intervention mit an den Patienten angepassten Musikstücken zu einer signifikanten Abnahme der Attackenfrequenz. Tatsächlich führte die Intervention mit an den Patienten angepassten Musikstücken zu einer signifikanten Abnahme der Attackenfrequenz. © iStock/Pheelings Media
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Während eines Migräneanfalls schotten sich Patienten häufig von sämtlichen Reizen ab. Trotzdem könnte Musik Betroffenen helfen. Darauf deuten neue Forschungsergebnisse hin.

Eine Reihe von verhaltenstherapeutischen Ansätzen hat sich als effektiv darin erwiesen, die Schwere und Häufigkeit von Migräneattacken zu reduzieren. Dazu gehören Entspannungsverfahren, Biofeedback und Stressbewältigungstechniken. Warum sollte nicht auch eine Musikintervention helfen, wie sie in Krankenhäusern bereits bei anderen Schmerzsyndromen zum Einsatz kommt? Bei Patienten mit chronischen Schmerzen konnte eine patientenkontrollierte Smartphone-App negative psychologische und physiologische Outcomes vermindern.

Eine Pilotstudie hat diese App nun über drei Monate bei 20 Patienten mit episodischer Migräne untersucht. Sie erhielten ein bis zwei Musiksitzungen zu je 20 Minuten pro Tag. Das Minimum lag bei 15 Sessions im Monat. Aufgebaut waren die Sitzungen U-förmig, d.h. am Beginn standen stimulierende Rhythmen, an die sich allmählich langsamere und entspannende Musikstücke anschlossen. Danach kehrte die Dynamik langsam wieder auf das Ausgangsniveau zurück. Der Musikstil und die Stücke wurden dabei individuell an die Präferenz der Patienten angepasst. Für die Musikinterventionen über Kopfhörer sollten sich die Patienten mit geschlossenen Augen bei minimaler Beleuchtung hinlegen.

Tatsächlich führte die Intervention zu einer signifikanten Abnahme der Attackenfrequenz. Bei zehn Patienten reduzierte sich diese um mindestens 50 %. Auch die Einnahme von Medikamenten verringerte sich signifikant sowie die Dauer der Attacken und psychologische Auswirkungen wie Angst und Depression. Nach Ansicht der Autoren sollte diese leicht anwendbare und kostengünstige Methode der Migräneprophylaxe in größeren kontrollierten Studien untersucht werden.

Quelle: Parlongue G et al. Complement Ther Med 2021; 63: 102779; DOI: 10.1016/j.ctim.2021.102779

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